Auf einer America’s- Cup-Yacht wird immer ein Platz verkauft
Überflüssiger Ballast

Man darf nichts tun, nichts sagen, nicht helfen. Nur Zugucken. Trotzdem gibt es für echte Segler keinen begehrenswerteren Ort als den Beobachterposten im Heck einer America’s- Cup-Yacht.

„Tender 2“ rauscht durch den Öresund vor Malmö. Das Schlauchboot eilt hinaus ins Segelrevier für die Louis Vuitton Acts 7 und 8. „Tender“ 1, das andere Begleitboot der Shosholoza, hat den America’s Cupper schon vor einer halben Stunde hinausgeschleppt. Die beiden Zodiacs sind fahrende Servicestationen und haben alles an Bord, was die südafrikanische Rennyacht und die 17-köpfige Crew an diesem 2. September 2005 brauchen werden: Reparaturmaterial, Ersatzsegel, Wetterspezialisten mit seefesten Computern, Teamchef Salvatore Sarno samt Ehefrau und Proviant. Und mich. Den 18. Mann für das zweite Fleetrace an diesem Tag.

Am Morgen hatte ich noch befürchtet, den Tag auf einem „Champagnerboot“ verbringen zu müssen, einem jener eher luxuriösen, weitgehend schwankungsfesten Dampfer, von denen aus die geladenen Gäste der America’s-Cup-Sponsoren die Rennen aus sicherer Distanz bei Lachs und Schampus verfolgen dürfen. Dann hatte mich der Marketingchef der Shosholoza eingeladen, das Rennen vom Begleitboot aus zu beobachten. Und bei der Begrüßung hatte Salvatore Sarno spontan entschieden, mich fürs zweite Rennen aufs Boot zu nehmen.

Wer mit dem America’s Cup nicht so vertraut ist, ahnt nicht, was so eine Einladung unter Seglern bedeutet. Es ist etwa so, wie neben Michael Schumacher als Beifahrer in einem Formel- 1-Rennen mitzufahren oder beim „Herminator“ Hermann Maier auf der Kitzbüheler Streif hinten auf den Rennskiern zu stehen.

Den „18. Mann“ gibt es noch nicht lange, er ist – wie die attraktiven Fleetraces, bei denen alle zwölf Yachten gegeneinander antreten – eines der Elemente, mit denen die Organisatoren den Cup attraktiver gemacht haben. Früher hatte eine Rennyacht im America’s Cup 16 Mann Besatzung vom Skipper bis zum Grinder. Dann kamen der 17. und der 18. Mann dazu. Der 17., weil die Aufgaben vielfältiger und komplexer geworden sind, der 18., weil der Cup viel Geld kostet und die Sponsoren etwas dafür sehen wollen. Mit dem 18. Mann bekamen sie einen Logenplatz an Bord, einen Beobachterposten, den sie an Prominente, Vorstandsmitglieder oder Journalisten vergeben können.

Seite 1:

Überflüssiger Ballast

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%