Auf Indonesiens Straßen
Der Kampf zwischen Nagelfegern und Reifenflickern

Die einen legen Nägel aus, um kaputte Reifen zu flicken und dafür Geld zu kassieren, die anderen sammeln die vorsätzlich verstreuten Nägel wieder ein. Ein erbitterter Kampf ist ausgebrochen.
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JakartaEs ist fünf Uhr morgens, und in Indonesiens Hauptstadt Jakarta geht gerade die Sonne auf. Schon jetzt ist die drückende Hitze unerträglich. Auf den Straßen der Metropole von 20 Millionen Einwohnern herrscht drangvolle Enge. Uralte Busse stoßen schwarze Rauchschwaden aus, Motorrad-Taxis schlängeln sich durch den Stau und fliegende Händler bieten ihre Waren feil.

Mitten im Verkehrschaos laufen Männer mit Warnwesten auf der Fahrbahn und suchen mit Magneten an langen Stielen systematisch den Asphalt ab. Sie sind auf der Suche nach Nägeln, die Reifenflicker vorsätzlich auslegen, um ihr Geschäft anzukurbeln.

„Seit August haben wir 380 Kilogramm aufgesammelt", ruft der 38-jährige Siswanto stolz. Siswanto, der wie viele Indonesier nur einen Namen trägt, beginnt mit dem Sammeln gegen 4.30 Uhr morgens. Um 7 Uhr tritt er seinen Arbeitstag als Granitverkäufer an, und wenn er um 18 Uhr aus dem Büro kommt, geht er wieder ein paar Stunden auf die Straße - an jedem Wochentag.

„Das machen wir nicht für Geld. Wir wollen nur, dass die Leute nicht zu spät zur Arbeit kommen, dass die Kinder pünktlich in der Schule sind, dass die Armen nicht ihr hart erarbeitetes Geld für neue Reifen ausgeben müssen", sagt er.

Vor zwei Jahren hat Siswanto die „Gemeinschaft der Nagelfeger" gegründet. Etwa ein Dutzend Freiwillige patrouillieren seither auf Mopeds durch die Stadt, bewaffnet mit Besenstielen, an deren Ende sie Magneten angebracht haben. Es dauert nur wenige Minuten, bis der Magnet mit Nägeln bedeckt ist.

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Ihr Kampf bleibt aussichtslos.

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