Aufarbeitung des Blacksburg-Massakers
Frühreife Kids, besorgte Eltern

Zwei Wochen nach dem Massaker an der Technischen Hochschule von Virginia in Blacksburg ist die amerikanische Gesellschaft noch immer intensiv mit der Aufarbeitung der Bluttat beschäftigt. Hat die Häufung von Gewalttaten direkte Auswirkungen auf die Befindlichkeit? Besorgte Eltern diskutieren, wie viel Nachrichten ihre Kinder sehen dürfen.

kri DÜSSELDORF.Danny Marx ist 15 und geht in Washington zur Schule. „Er war sieben, als das Massaker an der Columbine passierte, neun, als 9/11 die Flugzeuge in die Twin Towers flogen, zehn, als der mörderische Sniper in unserer Gegend wütete, und elf, als der Irak-Krieg ausbrach“, hat seine Mutter Vickie Marx der „Washington Post“ erzählt, „und jetzt der Amoklauf an der Virginia Tech – eine Generation mit einer schweren Bürde.“ Zwei Wochen nach dem Massaker an der Technischen Hochschule von Virginia in Blacksburg ist die amerikanische Gesellschaft noch immer intensiv mit der Aufarbeitung der Bluttat beschäftigt.

Für die Soziologin Katherine S. Newman, Professorin an der Princeton University, hat die Häufung von Gewalttaten direkte Auswirkungen auf die Befindlichkeit. „Auch wenn statistisch gesehen solche schrecklichen Vorfälle tatsächlich nur sehr selten geschehen, hinterlassen sie doch tiefe Spuren und erschüttern die menschliche Fähigkeit, beurteilen zu können, ob man sich an einem sicheren oder unsicheren Ort aufhält.“ Viele Amerikaner werden nach Meinung der Soziologin, die ein Buch über die gesellschaftlichen Wurzeln von Gewalttaten an Schulen geschrieben hat, auf diese Zeit als unruhig und unstabil zurückschauen.

Während sich auf dem Campus der Virginia Tech seit Wochenbeginn Psychologen und Therapeuten um die Studenten kümmern, diskutieren in den US-Medien besorgte Eltern darüber, wie viel News sie ihren Kindern vorsetzen können. Kernpunkt der von der „Washington Post“ dokumentierten Reaktionen ist die Tatsache, dass Kinder dank Chatforen und 24-Stunden-Nachrichten nicht von schrecklichen Dingen fern gehalten werden können.

Die meisten Eltern gaben an, mit ihren Kindern gemeinsam die Bilder gesehen und besprochen zu haben. „Als das Bekennervideo von Cho Seung-Hui am Tag nach der Tat gezeigt wurde, haben wir aber den Fernseher ausgeschaltet“, wird Eric Israel aus Springfield zitiert. „Unsere Generation musste sehr schnell groß werden“, erklärte die 18-jährige Alyssa Navarrete, „wir mussten früh erkennen, dass die Welt größer als der Hinterhof ist, deswegen sind wir stark.“

Auch das Thema Waffentragen an Schulen und Universitäten wird in den USA ausführlich debattiert. Das demoskopische Forschungsinstitut Pew Research hat die Situation dokumentiert: Demnach ist es nur in Illinois und Wisconsin verboten, auch als Besitzer eines Waffenscheins ein Gewehr oder einen Colt verborgen zu tragen. In 38 Staaten sind Waffen in Schulen und Universitäten verboten. Andere Staaten lassen die Universitäten entscheiden. Nach einer Studie der Alliance for Justice aus dem Jahr 2003 verbannen 82 von 150 der größten Universitäten Waffen vom Gelände, in 25 müssen die Waffen abgegeben werden. An der Virginia Tech wurden Waffen in der eigenen Polizeiwache aufbewahrt. Bis heute ist nicht geklärt, ob Cho Seung-Hui einen Waffenschein hatte.

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