Auftakt in Rio de Janeiro
Teurer Samba-Karneval

Glitzernde Pailletten, heiße Rhythmen, knappe Outfits – und viel Geld: Der Karneval in Brasilien kostet Unsummen. Ohne Zuschüsse von großen Konzernen wie BASF wären die Paraden der Sambaschulen kaum zu finanzieren.
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Sie sitzen vor ihren Häusern aus Wellblech und Palmwedeln. Kinder spielen im Müll. Es existieren weder befestigte Straßen noch ein Abwassersystem. Tausend Favelas gibt es allein in Rio de Janeiro. Bis zum Start der Fußballweltmeisterschaft im Sommer investiert die Stadt viel Geld, um die Armenviertel zu „verschönern“. Befriedungspolizisten sollen sie sicherer machen, die Infrastruktur soll verbessert werden.

Szenenwechsel. Federn, Pailletten, schwitzende Körper. Acht passend zum Motto gestaltete Paradewagen legen die 800 Meter im Sambódromo in 80 Minuten zurück. Die Unidos da Tijuca gehört zu den zwölf besten Sambaschulen, die während des Karnevals in der Special Group gegeneinander antreten und um ihr Prestige kämpfen. Am heutigen Freitag beginnt die spektakulärste Karnevalssause der Welt. Bis zum 5. März feiert ganz Rio – und die Welt feiert mit. In diesem Jahr soll die Millionen-Marke an Gästen geknackt werden.

Der Auftritt in der Parade kostete die Sambaschule im vergangenen Jahr mehr als dreieinhalb Millionen Euro. Doch die Protagonisten bleiben die gleichen: die Mehrzahl, der Mitglieder in den Sambaschulen, stammt aus den Favelas. Wie passt das zusammen?

In den Anfängen des Karnevals war es üblich, dass sich die Reichen als Bürgerliche und die Armen als Prinzen und Prinzessinnen verkleideten. Die sozialen Rollen wurden getauscht. Auch heute noch ist der Karneval für die Favela-Bewohner die Zeit, in der sie ihr schwieriges Leben vergessen und feiern als gäbe es kein Morgen.

Deutlich werden die monetären Dimensionen der Sambaparade beim Blick auf die Anzahl der Mitwirkenden. Zwischen drei- und fünftausend Tänzer sowie dreihundert Trommler pro Sambagruppe defilieren jedes Jahr an 80.000 Zuschauern vorbei.

Millionen Zuschauer sehen die Parade im Fernsehen. Vor dem großen Tag werkeln zweihundert Arbeiter monatelang an den Paradewagen. Choreografen inszenieren die Tanzshow und Komponisten schreiben Sambalieder. Hunderte Frauen nähen die aufwändigen Kostüme. Allein das Material kostet Unsummen. Dazu kommt noch der Lohn für die professionellen Tänzer, Choreografen, Kostümdesigner und Komponisten.

Pyrotechnik und Illuminationen sind in den letzten Jahren als Spezialeffekte dazugekommen.
In der Samba City sind die Hallen untergebracht, in denen die Mottowagen immer weiter in den Nachthimmel wachsen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte und Eintrittskarten reichen den Sambaschulen schon lange nicht mehr.

Trotz Zuschüssen von der Stadtverwaltung können sie nicht mehr auf Sponsorengelder verzichten. Vorher, so wird vermutet, finanzierten vor allem Verbrecherbanden, die ihr Geld mit dem Wettspiel jogo do bicho machen, die Schulen. Sponsoren statt Gangster. Auf den ersten Blick ein guter Tausch.

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Stippeföttche kontra Hüftschwung

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