Augenzeugen-Berichte in Erdbeben-Region
„Rettet mich, ruft meine Mutter"

Nach dem schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten in Südasien geht die Zahl der Todesopfer in die Zehntausende. Allein in dem am stärksten betroffenen Pakistan starben mehr als 30 000 Menschen. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht. Deutschland schickte jetzt das Technische Hilfswerk in die Unglücksregion.

HB ISLAMABAD/NEU DELHI. Erdrutsche verschütteten Straßen, so dass Teile des Katastrophengebiets am Sonntag von der Außenwelt abgeschnitten blieben. Mit Hacken, Schaufeln und bloßen Händen suchten Angehörige fieberhaft nach Überlebenden, die verschüttet waren und nach Hilfe riefen. Hunderte Kinder starben unter den Trümmern ihrer eingestürzten Schulen.

Deutschland entsandte Retter des Technischen Hilfswerks (THW) nach Pakistan. Am Nachmittag werde ein 15-köpfiges Team mit Suchgeräten und Ausrüstung zur Bergung von Opfern in die Region abfliegen, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit. Bereits am Samstagabend sei ein Spezialist zur Vorbereitung nach Pakistan abgereist. „Mit schnellem Handeln können hoffentlich noch viele Menschenleben gerettet werden“, erklärte Innenminister Otto Schily (SPD).

Eine Sprecherin des Auswärtige Amtes sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich auch Deutsche in der Region befänden. Allerdings gebe es über mögliche Opfer noch keine Informationen. Sie verwies darauf, dass ein großer Teil des Katastrophen-Gebietes im militärischen Sperrbereich liege, wo Ausländern ohnehin der Zutritt verwehrt sei.

Die Sprecherin kündigte weitere Hilfen für die Region an, die aber derzeit noch nicht beziffert werden könne. „Die Hilfe wir dem Ausmaß der Katastrophe entsprechen“, sagte sie. Die deutsche Botschaft habe 50 000 Euro als Hilfe für den Kauf von Zelten und Decken erhalten. Dies sei aber nur ein sehr kleiner Teil der Unterstützung, die zum großen Teil über das Internationale Rote Kreuz und Partnerorganisationen abgewickelt werde.

Das Beben mit einer Stärke von 7,6 hatte am Samstag die Region erschüttert. Das Epizentrum lag etwa 95 Kilometer nordöstlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad nahe der Grenze zu Indien. In den 18 Stunden danach wurde die Region von mehr als 20 Nachbeben erschüttert, die Stärken von bis zu 6,3 erreichten. Das Beben sei das schwerste in Südasien seit 100 Jahren, sagte ein pakistanischer Meteorologe. 1905 waren bei einem Erdbeben in Indien 20 000 Menschen ums Leben gekommen.

Es handele sich um die schlimmste Verwüstung in der Geschichte Pakistans, sagte ein Sprecher von Präsident Pervez Musharraf. „Es gibt viele Dörfer, die von der Erdoberfläche verschwunden sind.“ Das Innenministerium bestätigte den Tod von 30 000 Menschen allein in Pakistan. Die Behörden in Indien gingen vom 558 Todesopfern aus, die vor allem in der an Pakistan grenzenden Region Kaschmir gezählt wurden. In der Himalaya- Region wurden nach Erdrutschen viele Lehm- und Steinhäuser unter Erd- und Geröllmassen begraben.

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