Auktion in Venedig
Der spannende Kampf um die „Pestinsel“

Streit um die Insel der Verdammten. Einst lebten dort Menschen mit ansteckenden Krankheiten, später psychisch Kranke. Nun soll ein Luxusressort entstehen. Venedigs Bürger wollen einen Park – und bieten gegen Mister X.
  • 0

DüsseldorfDer große Unbekannte gegen die Bürger von Venedig: Am Dienstag kommt es in der Lagunenstadt zum Showdown am Bietertisch und zu einem Kampf der an das biblische „David gegen Goliath“ erinnert. Objekt der Begierde auf beiden Seiten: die Insel Poveglia. Der italienische Staat will das Eiland im südlichen Teil der Lagune von Venedig meistbietend verkaufen. Darüber ist Streit entbrannt. Soll aus der Insel ein Domizil für die Reichen und Schönen werden, ein Luxusressort oder ein Park für alle?

Am Dienstag wird sich diese Frage entscheiden. Mitbieten will die Bürgerinitiative „Poveglia per tutti“ (Poveglia für alle). Ihr Gegner ist ein privater Investor, den die Medien „Mister X“ getauft haben. Die ganze Stadt und die Medien rätseln, wer sich dahinter verstecken könnte. Möglicherweise handelt es sich um den venezianischen Investor Luigi Brugnaro, aus dessen Umfeld immerhin auch kein Dementi kam.

Die Bürgerinitiative hat angeblich, so berichtet der ORF, ihren Spendenstand innerhalb kürzester Zeit auf 310.000 Euro verdoppelt und kämpft noch um jeden, weiteren Cent. Bis zu Versteigerung wollte die Gruppe 513.000 Euro bieten können.

Auch ausländische Venedig-Liebhaber sind explizit als Spender erwünscht. Einige Venezianer sollen ihr gesamtes Vermögen gespendet haben. Der Zuspruch war von Anfang an enorm. Schon für 99 Euro kann jeder möglicher künftiger „Miteigentümer“ der Insel werden. Bezahlt wird inzwischen über ein Online-System.

„Wenn ein Tycoon, ein Ölmagnat oder ein Emirat viel Geld auf den Tisch legt, können wir einpacken“, sagt Lorenzo Pesola von der Bürgerinitiative der „Zeit“. „Eigentlich paradox. Wir müssen Geld sammeln, um zu kaufen, was eigentlich schon uns gehört."

Ob Luxusressort oder Stadtpark – wer den 99 Jahre währenden Pachtvertrag am Dienstag ersteigert, schreibt ein neues Kapitel in der düsteren Geschichte der Insel. Das Eidland hat in Italien viele Namen: „Der verfluchteste Ort der Welt“, „Island of Madness" oder „Pestinsel“ wird das Eiland genannt, das mit 7,2 Hektar etwa ein Fünfzigstel so groß ist wie der Englische Garten in München. Historische Belege dafür, dass auf der Insel je wirklich Pestkranke ausgesetzt worden ist, gibt es aber nicht.

Seite 1:

Der spannende Kampf um die „Pestinsel“

Seite 2:

"Betreten verboten"

Seite 3:

Die Renovierung wird teuer

Kommentare zu " Auktion in Venedig: Der spannende Kampf um die „Pestinsel“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%