Ausbau des Kanals
Oh, wie zankt sich Panama

Ein Jahrhundert Kanalgeschichte scheint ihnen Recht zu geben. Neben Brasilien und Mexiko ist Panama das Land mit der ungleichsten Einkommensverteilung in Lateinamerika. Zwar hat Panama mit 4 300 Dollar eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen des Subkontinents, zugleich müssen jedoch 40 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. Sie können die Skyline und die Villen in der Hauptstadt Panama-Stadt nur bestaunen.

Im Meinungsstreit für das Referendum am Sonntag haben es die Kanalgegner schwer. Nur wenige „No“- Graffiti und -Transparente prangen auf Häuserwänden und an Laternenmasten. Dafür hängen überall Plakate, auf denen schlicht „Si“ steht. Im Fernsehen schaltet die Kanalverwaltung Werbespots, in denen die Erweiterung der Wasserstraße als schicksalsweisend für das kleine Land beschrieben wird: Investitionen, Ansiedlungen von Unternehmen, Banken und Reedereien würde die Erweiterung bringen. Und 40 000 Arbeitsplätze und mehr Wohlstand für alle. Für den sozialdemokratischen Präsidenten Martín Torrijos tritt Panama mit dem Kanalausbau gar den Weg in die Erste Welt an. Umfragen zufolge wollen 70 Prozent der Bürger für den Kanalausbau stimmen.

Ohne die gut 80 Kilometer lange Wasserstraße wäre Panama wohl noch heute eine Provinz Kolumbiens. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten die USA für die Abspaltung Panamas von Kolumbien, um den Kanal nach ihren Vorstellungen bauen zu können. Seit 1914 haben 875 000 Schiffe seine Schleusen passiert.

Schon Spaniens Herrscher Karl V. träumte 1534 von einem Wasserweg zwischen den Weltmeeren an der engsten Stelle des amerikanischen Kontinents. 350 Jahre später machte sich der Franzose Ferdinand de Lesseps an die Arbeit. Nachdem 22 000 Arbeiter an Malaria und Gelbfieber gestorben waren, gaben die Franzosen nach acht Jahren 1889 auf. Erst die USA vollendeten das gigantische Unternehmen.

Noch heute gehört die Passage durch den Kanal zu den anspruchsvollsten und spektakulärsten der Seefahrt. Lotsen manövrieren die bis zu 300 Meter langen Ozeanriesen in Millimeterarbeit durch Panama. Schleusen heben die Containerschiffe für die Durchfahrt auf eine Höhe von 26 Metern über dem Meeresspiegel. Im Corte de Culebra, dem Nadelöhr des Kanals, sind Mangroven und Palmen fast zum Greifen nahe. Bis zu 150 000 Dollar müssen Schiffe für die rund 24 Stunden dauernde Passage zahlen.

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