Ausblick auf 2005
Warten auf den „King Kong“

Hollywood setzt 2005 auf die Magie bewährter Helden. Der Kampf gegen Filmpiraterie wird härter.

HB DÜSSELDORF. Wenn Mitte Februar die Goldenen Bären in Berlin vergeben werden, ist die Freude der Geehrten groß. Die Trophäe mit dem Wappentier der Hauptstadt ist die wertvollste künstlerische Auszeichnung für einen Film in Deutschland. Wirtschaftlich ist die Prämierung aber nur von geringer Bedeutung. „Der europäische Film holt auf. Doch noch hat er nicht das Niveau von Hollywood erreicht“, sagt Michael Schmid-Ospach, Chef der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Der Filmförderer, der über einen Jahresetat von 35 Mill. Euro verfügt, hat für das kommende Jahr bereits einen Favoriten: „Barfuß“, der neue Film von und mit Frauenschwarm Til Schweiger.

Obwohl der deutsche Film in diesem Jahr einen rekordverdächtigen Marktanteil von 23 Prozent an der Kinokasse erreicht, gibt Hollywood weiter den Ton im Filmgeschäft an. Dass US-Kassenschlager durchaus künstlerisch anspruchsvoll sein können, beweist vom 6. Januar an die Produktion „Ray“. Der Streifen aus dem Hause des Mediengiganten NBC Universal erzählt die bewegende Filmbiografie des Musikers Ray Charles. „Das ist ein Film, der vom Publikum und von der Kritik geliebt wird“, prognostiziert Wolfram Winter, Chef der deutschen Pay-TV-Kanäle der Universal Studios. Der Film lief in den USA gut an – dort spielte der Streifen mehr als 70 Mill. Dollar ein.

Traditionell bekommt das für die Filmbranche wichtige Winterhalbjahr durch die Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen am 25. Januar zusätzlich Auftrieb. Die großen Blockbuster des Jahres 2005 kommen allerdings erst in den letzten beiden Monaten: Mitte November – rechtzeitig zum nächsten Weihnachtsgeschäft – startet der vierte „Harry Potter“. Der Film von Warner Bros., dem Filmstudio des Mediengiganten Time Warner, wird zu den umsatzträchtigsten Streifen im kommenden Jahr zählen. Warner Bros. greift jedoch auch manchmal daneben – aktuell mit dem sündhaft teuren Helden-Epos „Alexander“ von Starregisseur Oliver Stone.

„Harry Potter und der Feuerkelch“ lässt die Konkurrenz nicht ruhen. Das kleine Studio Dreamworks kontert mit „Autos wie wir“, einem Zeichentrickspaß, der die Erlebnisse klassischer Automobile auf der legendären Route 66 schildert. Und die Universal-Studios holen „King Kong“ aus der Mottenkiste. „Universal wird mit King Kong das Filmjahr 2005 bewegen“, glaubt Fernsehmanager Winter. Für voraussichtlich 200 Mill. Dollar verfilmt Regisseur Peter Jackson die Abenteuer um den Riesenaffen neu. Jackson hat bereits mit „Herr der Ringe“ gezeigt, wie massenwirksam er Fantasy-Themen auf die Leinwand zaubern kann. Als Kinostart ist der 15. Dezember geplant.

Aber auch die deutsche Filmbranche geht mit Optimismus ins neue Jahr. In den vergangenen Monaten sorgten vor allem hiesige Produktionen für eine Trendwende in den Kinos. „Dass im zweiten Halbjahr auch deutsche Film wie ,(T)Raumschiff Surprise‘, ,Der Untergang‘ und ,Die sieben Zwerge‘ die Menschen in die Kinos zogen, freut mich sehr“, sagt Filmförderer Schmid-Ospach. Die Weltraumkomödie „(T)Raumschiff Surprise“, ein Streifen der Constantin Film, hatte mit mehr als neun Millionen Zuschauern sogar dem Animationshelden „Shrek 2“ und „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ den Rang abgelaufen.

Eines haben deutsche und amerikanische Blockbuster gemein: Sie werden illegal kopiert. Nach einer Studie der GfK-Marktforscher sind im ersten halben Halbjahr 2004 zehn Millionen Filme aus dem Internet geladen worden. Der Kampf gegen die Piraterie hat erst begonnen, schnelle Lösungen sind nicht in Sicht.

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Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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