Auschreitungen in Italien
Hooligans greifen Polizeikaserne an

In Italien ist es nach dem Tod eines Fußballfans durch einen Polizisten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Bewaffnet mit Steinen und Knüppeln stürmten Hooligans mehrere Polizeistationen in Rom. Auch in anderen Städten kam es zu Straßenschlachten.

HB ROM. Den Behörden zufolge griffen am Sonntagabend rund 200 Fans mehrere Polizeikasernen in Rom an. Einige der Randalierer seien mit Steinen und Knüppeln ausgerüstet gewesen, berichtete ein Beamter. Sie hätten Scheiben eingeschlagen und Autos in Brand gesetzt.

Zuvor hatten sich bereits mehrere hundert Fans Straßenschlachten mit Sicherheitskräften rund um das Stadion geliefert, wo zuvor die Partie AS Rom gegen US Cagliari abgesagt worden war. Mindestens zehn Polizisten wurden verletzt. Auch in anderen italienischen Städten kam es zu Ausschreitungen.

Auslöser der Krawalle war der Tod eines Lazio-Rom-Fans. Der 26- Jahre alte Mann war auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Clubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz nahe Arezzo von einem Polizisten erschossen worden. Medienberichten zufolge war es auf dem Rastplatz zuvor zu Rangeleien zwischen Lazio-Anhängern und Fans von Juventus Turin gekommen. Als eine Polizeistreife eingriff, fielen die tödlichen Schüsse.

Als sich die Nachricht unter den Fußballfans verbreitete, kam es bei Spielen im ganzen Land zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf Ordnungskräfte. Mehrere Polizisten wurden verletzt. „Mörder, Mörder“, skandierten die Fans. Der italienische Fußballverband sagte das Spitzenspiel von Meister Inter gegen Lazio ab. Die Partie zwischen Atalanta Bergamo und dem AC Mailand musste nach nur sieben Minuten wegen Fan-Randale genauso abgebrochen werden wie die Drittligapartie in Taranto. Die übrigen Nachmittagsspiele wurden mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen, Spieler und Schiedsrichter liefen mit Trauerflor auf.

„Es war ein tragischer Fehler“, sagte der tief betroffene Polizeichef von Arezzo, Vincenzo Giacobbe, der „La Gazzetta dello Sport“ zu dem tödlichen Polizeieinsatz auf der Raststätte. Ministerpräsident Romano Prodi äußerte sich „höchst besorgt“ über die tragischen Ereignisse, Oppositionsführer Silvio Berlusconi sprach von einem „schrecklichen Tag“.

Der 26-jährige Römer ist bereits der zweite Tote, den der italienischen Fußball in diesem Jahr zu beklagen hat. Bei schweren Fan-Ausschreitungen war am 2. Februar ein Polizist in Catania von Randalierern erschlagen worden. Daraufhin hatte die Regierung die Gesetze gegen Gewalt rund um den Fußball drastisch verschärft, das Problem jedoch nicht in den Griff bekommen. Justizminister Clemente Mastella forderte deshalb am Sonntag „noch härtere Maßnahmen“ gegen gewaltbereite Fußballfans, Innenminister Giuliano Amato versprach eine „schnelle Aufklärung des tragischen Fehlers“.

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