Ausgebremst
Konkurrenz für das Autoland

Deutschland ohne Automobilindustrie? Das kann sich niemand so recht vorstellen. Oder doch? In der deutschen Stärke liegt das Problem, warnt Branchenexperte Helmut Becker und sieht zumindest die Gefahr, dass Deutschland seine Vorrangstellung in der Autobranche verlieren könnte. Darüber hat er ein Buch geschrieben.

DÜSSELDORF. Mercedes, Porsche, BMW – das sind Weltmarken, die nicht nur in ihrem Heimatmarkt einen ausgezeichneten Ruf besitzen. Und sie stehen auch für wirtschaftliche Macht: Allein der Wert der Marke Mercedes liegt nach jüngsten Schätzungen bei 18 Milliarden Euro. An die 700 000 Beschäftigte hat die Branche in Deutschland. Nicht nur bei den allseits bekannten Herstellern, sondern auch bei den Tausenden von Zulieferern.

Aber trotzdem, es gibt jemanden, der sich Deutschland ohne Autoindustrie vorstellen kann. Oder anders formuliert: Helmut Becker sieht zumindest die Gefahr, dass Deutschland seine Vorrangstellung in der Autobranche verlieren könnte. Becker ist nicht irgendwer. In München leitet er das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK). Und davor war er lange Jahre Chefvolkswirt bei BMW. Er weiß also, wovon er spricht.

Beckers neues Buch, das am Montag in die Buchhandlungen kommt, ist von der Sorge getrieben, dass Deutschlands Autohersteller den Anschluss verpassen und sich bald der starken Konkurrenz aus Asien geschlagen geben müssen. „Seit langem mehren sich die Anzeichen, dass die deutsche Autoindustrie drauf und dran ist, nicht nur ihre eigene, sondern unser aller Zukunft zu verspielen“, lautet Beckers böse Prophezeiung.

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Angst natürlich nicht. Der gute Ruf des Autolands Deutschland kommt weniger von den Marken Opel, Ford und VW. Sie stehen für das Massengeschäft, das es auch in anderen Ländern mehr oder weniger erfolgreich gibt. Die deutsche Branche hebt sich mit ihrer großen Breite exklusiver Premiumhersteller ab. Mercedes, BMW, Porsche, Audi – so etwas gibt es in keinem anderen Land. Das Geschäft mit diesen Premiumautos hat Deutschland den Wohlstand gebracht.

Trotzdem gibt es ein Problem: Premiumautos sind groß und schwer. Zudem haben sich die deutschen Hersteller meist auf eine große Motorisierung festgelegt. Und was groß und schwer ist, braucht auch mehr Sprit. Inzwischen wächst die Angst, dass die industrialisierte Welt weitere drastische Erhöhungen beim Benzinpreis sehen wird. Und dann gibt es da noch das wachsende Umweltbewusstsein, das auch die Autohersteller unter zusätzlichen Druck setzt.

Beckers Kritik setzt zu Recht an diesem Punkt an. Deutschlands Autohersteller haben bislang keine überzeugende Antwort darauf gefunden, mit welcher Strategie sie Verbrauchs- und Umweltfrage lösen wollen. Toyota ist schon gut zehn Jahre mit einem Hybrid-Modell (Auto mit Elektro- und Benzinantrieb) auf dem Markt vertreten. Bei den deutschen Herstellern herrschte bislang Fehlanzeige. Dass Porsche Ende Juli sein erstes Hybrid-Modell vorgestellt hat, kann dabei nicht versöhnen. Das Auto kommt einfach zu spät.

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