Ausstellung
Heiting zeigt Helmut Newton

Vermutlich hat der Fotograf Helmut Newton, Jahrgang 1920, das Geheimnis der Frauen nie befriedigend ergründen können.

Wie sonst ist zu erklären, dass er sich im Alter von 60 Jahren entschloss, mit einigen seiner Models zur Röntgenuntersuchung zu gehen? Herausfinden, was sich unter all dem Fleisch verbirgt, wollte er, und endlich Klarheit, was High Heels im Innersten zusammenhält. Das fotografisch festgehaltene Resultat namens „X-Rays“ – nichts als Knochen und kleine Folterinstrumente in Gestalt von Nägeln – war vor allem niederschmetternd. Zum Glück! Denn welchen Grund hätte Newton wohl gehabt, seine Arbeit als Mode-, Akt- und Porträtfotograf noch mindestens 20 Jahre fortzusetzen?

Insgesamt kommt der gebürtige Berliner auf mehr als sechs Jahrzehnte Schaffenszeit, seine Lehrjahre bei der später von den Nazis ermordeten Fotografin Yva in Berlin eingeschlossen. Das Oeuvre der letzten 40 Jahre, noch bis 17. August in der großen, von Manfred Heiting initiierten Retrospektive im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf, zu sehen, hat ihn berühmt gemacht: erfundene und gefundene Geschichten aus der Welt des Geldadels und des Jetsets, bevölkert von glamourösen Figuren, von geschminkten und schmuckbehangenen Frauen.

Für Männer waren sie Traum und Albtraum schlechthin: die „Big Nudes“, monumentale Aktaufnahmen von maskulinen, mächtigen Frauen und der Grund für heftigste feministische Diskussionen seit den 70-er Jahren. Doch wozu? Sie sind schön und selbstbewusst. Sie wollen lieben und begehren, wann sie wollen, wen sie wollen, vital und erotisch.

Christiane Fricke, Helmut Newton: Work. NRW-Forum, Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf, bis 17. August. Katalog: Verlag B. Taschen, Köln, 29,99 Euro. Telefon 0211/8926690, www.nrw-forum.de

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