Ausstellung im Buckingham-Palast
Glitzerkönigin mit Wespentaille

Ihre Wespentaille kam durch hauteng anliegende Kleider in raffiniertesten Farben beeindruckend zur Geltung. Fast hatten die Londoner schon vergessen, dass Britannien lange vor Victoria Beckham und Kate Moss ein Supermodel hervorbrachte: eine Glitzerkönigin, die bei Staatsbesuchen Respekt und Verzauberung hervorrief.

HB LONDON. Königin Elizabeth II. stellte die elegantesten Damen in den Schatten, wenn sie sich in Schale warf.

„Mit diesen Kleidern hat sie die Leute schlichtweg verzaubert“, sagt Caroline de Guitaut. Als Modeexpertin der Königlichen Sammlungen hat sie geholfen, die mit Abstand größte Ausstellung von privaten und offiziellen Kleidern der britischen Königin zu gestalten. Von diesem Mittwoch an (26. Juli) ist die Schau im Buckingham-Palast zu bewundern.

Während Elizabeth II. und Prinz Philip die Sommertage im etwas kühleren Schottland verbringen, werden in London bis Ende September wieder Zehntausende durch die Staatsgemächer des Amtssitzes von Elizabeth II. ziehen. Als Bonbon gibt es diesmal die Sonderschau „Dress for the Occasion“.

Sie bietet nicht nur einen Rundgang durch den Kleiderschrank der Queen und tiefe Blicke in ihre Schmuckschatulle. Der Besuch wird zur Exkursion in die jüngere Geschichte. Mit Farben und Designs als Wegweisern. In leuchtendem Grün - und damit ganz in einer der drei Farben der äthiopischen Nationalflagge - war die Queen 1965 in Addis Abeba vor Kaiser Haile Selassie erschienen.

Das schlicht gehaltene Kleid stammte von dem Designer Norman Hartnell. Er griff immer wieder nationale Symbole auf, wenn er Roben für Staatsbesuche der Königin entwarf. 256 offizielle Visiten in 129 Ländern hat sie bislang absolviert. Natürlich gab es jedes Mal ein neues Kleid. Graue Seide mit einer Farnkrautstickerei, Perlen, Kristallen und kleinen Signalhörnern trug die Queen 1957, als US- Präsident Dwight D. Eisenhower sie im Weißen Haus empfing.

Der Designer war Hardy Amies. Er hatte auch das reichlich silberbestickte und vom Rokoko-Stil des Schlosses Brühl inspirierte Abendkleid entworfen, in dem die Königin 1965 Bundespräsident Heinrich Lübke weihevoll die Hand reichte. Es war der erste Besuch eines britischen Staatsoberhauptes, seit Edward VII. 1909 nach Deutschland gereist war. Dazwischen lagen zwei Weltkriege, die Briten und Deutsche zu Feinden gemacht hatten. „Ihren Besuch, Majestät“, sagte Lübke, „verstehen wir als ein Zeichen wachsenden Vertrauens zu unserem Volk.“

Über ihrem Kleid, berichtete damals ein deutscher Radioreporter, „scheint sie ein Nerzcape zu tragen, aber dafür kann ich mich nicht verbürgen, denn die Entfernung ist zu groß.“ Nun sind die Kleider der Queen aus nächster Nähe zu betrachten - obendrein in ihrem eigenen Palast. Mehr noch als die historischen Bezüge der Queen-Roben bewundern britische Mode-Experten allerdings deren Maße - jedenfalls bei den Gewändern aus früheren Jahren.

Angesichts des taillenbetonten türkisfarbenen Seidenkleides von Hartnell, das Elizabeth II. im Jahr 1960 zur Hochzeit ihrer Schwester Prinzessin Margaret trug, gerät die Mode-Reporterin des konservativen „Daily Telegraph“ ins Schwärmen: „Dies zeigt doch, dass die Schlankheit der Supermodels keineswegs ein Phänomen unserer Promi- besessenen Zeit, sondern überhaupt nicht neu ist.“ Und dazu noch der Diamanten-, Platin-, Aquamarin- und Goldschmuck. Elizabeth II. - das sei nun endgültig erwiesen - „ist unsere wirklich echte Glitzerkönigin“.

Die Ausstellung und die Staatsgemächer im Buckingham-Palast können vom 26. Juli bis 24. September täglich von 09.45 bis 18.00 Uhr besichtigt werden.

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