Australien
Papst entschuldigt sich für Missbrauch

Als "gewaltigen Vertrauensbruch", der großen Schmerz verursacht habe, bezeichnete Papst Benedikt XVI. während seines Australien-Besuchs den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche. Das Oberhaupt der Kirche entschuldigte sich bei den Opfern dafür. Kritikern geht dies nicht weit genug.

HB SYDNEY. Die Kirche verurteile die Missbrauchsfälle, sagte Benedikt in einer Messe vor australischen Geistlichen. "Ich möchte innehalten, um die Schande einzuräumen, die wir alle wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch einige Geistliche in diesem Land fühlen", sagte Benedikt. Es tue ihm sehr leid, dass die Opfer solchen Schmerz erleiden mussten. "Ich versichere ihnen als ihr Seelsorger, dass ich ihr Leiden teile." Die Verantwortlichen müssten vor Gericht gebracht werden, forderte der Papst.

Seine Entschuldigung geht Kritikern nicht weit genug. "Bedauern kann ein Anfang sein, aber wir wollen viel mehr sehen", erklärte der Vorsitzende der Opferschutzorganisation Broken Rites, Chris MacIsaac, in Sydney. Der Papst müsse seine australischen Bischöfe anweisen, nicht länger den Zugang von Missbrauchsopfern zu Zivilgerichten zu blockieren. Kritiker werfen der katholischen Kirche vor, sie wolle verhindern, dass Opferfälle polizeilich und gerichtlich verfolgt werden. Stattdessen versuche sie, im Vorfeld mit den Betroffenen Vereinbarungen zu treffen.

Nach Angaben von Broken Rites wurden in Australien bislang 107 Priester und andere Geistliche wegen sexueller Übergriffe verurteilt. Weitere Prozesse laufen noch.

Demonstranten bewarfen am Samstag katholische Pilger mit Kondomen, als sie durch ein Homosexuellen-Viertel marschierten. Rund 500 Menschen nahmen an der Protestveranstaltung teil und sangen Parolen wie "Der Papst irrt sich, benutze ein Kondom". Die Demonstration wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet, zu dem auch berittene Beamte gehörten.

Der Papst hatte sich bereits während eines Besuchs in den USA im April für den sexuellen Missbrauch durch Geistliche entschuldigt und einige Opfer persönlich getroffen. Die Formulierungen fielen jetzt deutlich stärker aus als seine Äußerungen in den USA.

Der Papst hält sich anlässlich des Weltjugendtages in Sydney auf, der noch bis Sonntag dauert.

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