Auszeichnung
Egon Bahr erhält Friedenspreis 2008

Egon Bahr hat am Samstag den Göttinger Friedenspreis 2008 erhalten. Der 85 Jahre alte frühere SPD-Kanzleramtsminister werde für sein „herausragendes politisches Lebenswerk“ und seinen großen Einsatz für nachhaltigen Frieden“ gewürdigt, teilte die Stiftung Roland Röhl mit, die den Preis verleiht.

HB GÖTTINGEN. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts sei Bahr „Vordenker und Architekt der Ost-, Entspannungs- und Friedenspolitik Willy Brandts gewesen“. Als „Baumeister der Ostverträge“ habe der SPD-Politiker den Grundstein zur Öffnung des „Eisernen Vorhanges“ zwischen dem Ostblock und der westlichen Welt gelegt, heißt es in der Würdigung. Schon zu Lebzeiten habe Bahr durch seine herausragenden Leistungen eine „historische Bedeutung“ erlangt.

Das „unermüdliche friedenspolitische Engagement“ Bahrs habe maßgeblich zur Ost-West-Entspannung und zur friedlichen Beendigung des Kalten Krieges beigetragen. Durch die Politik des „Wandels durch Annäherung“ vor allem in den Beziehungen zu Polen und der Sowjetunion sei die erstarrte Ost-West-Konfrontation allmählich in eine Kooperation umgewandelt worden. Bahr sei eine europa- und weltweit hoch geachtete Persönlichkeit, auf die Deutschland mit Verehrung blicken könne.

Katastrophenforschung werde die Friedensforschung ablösen, sagte Bahr laut seinem vorab verteilten Redemanuskript. Denn das eigentliche Problem des 21. Jahrhunderts werde die drohende Klimakatastrophe sein. „Die Fantasie der Regierungen reicht nicht aus sich auszumalen, was geschieht, wenn die Meeresspiegel steigen, die Permafrostgebiete versumpfen und die Versteppung zunimmt.“ Dies werde Amerika, Europa und Russland gleichermaßen zwingen, ihre Streikräte einzusetzen, um gemeinsam Sicherheit zu finden. „Da werden die Staaten mit ihrer Macht versuchen, das Überleben zu organisieren, ohne noch über ihre Werte und die Unterschiede zu streiten, was Menschenrechte sind.“ Stifter des mit 3000 Euro dotierten Friedenspreises war der vor elf Jahren verstorbene Wissenschaftsjournalist Roland Röhl. Der Chemiker befasste sich vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung.

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