Bad Reichenhall
"Schnee allein kann nicht die Ursache sein"

Die Rettungskräfte haben am Dienstag in Bad Reichenhall verweifelt nach Überlebenden der Einsturz-Katastrophe gesucht und sich damit einen Wettlauf mit der Zeit geliefert.

HB BAD REICHENHALL. Elf Tote wurden geborgen, darunter sieben Kinder und zwei Jugendliche. Vier Vermisste wurden noch unter den Trümmern vermutet, die Helfer suchten teilweise mit bloßen Händen nach ihnen. Wegen massiver Einsturzgefahr mussten die Arbeiten am Nachmittag aber vorübergehend eingestellt werden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.

Nach einer ersten Zwischenbilanz wurden beim Einsturz der Halle am Montagnachmittag 34 Menschen verletzt. Bei den Vermissten handelte es sich um eine Frau und drei Kinder zwischen 12 und 16 Jahren. Für die Fortsetzung der Rettungsarbeiten wurde eine Spezialfirma angefordert. „Wir werden so lange suchen, bis wir alle vermissten Personen gerettet beziehungsweise geborgen haben“, sagte Kreisbrandrat Rudi Zeif. Er sei zuversichtlich, dass das Dach bis (zum morgigen) Mittwoch geräumt sei.

Bis zum Nachmittag waren zehn von elf Toten eindeutig identifiziert. Bei ihnen handelte es sich um zwei Jungen und vier Mädchen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren, ein zunächst nicht identifiziertes weiteres Mädchen, einen männlichen und einen weiblichen Jugendlichen sowie zwei Frauen im Alter von 40 und 41 Jahren. Alle stammten aus der Region. Noch am späten Montagabend war ein fünfjähriges Mädchen mit leichter Unterkühlung geborgen worden.

Mit einer Lichterkette gedachten am Abend rund 500 Menschen der Opfer, viele hatten Tränen in den Augen. Die Glocken der umliegenden Kirchen läuteten 20 Minuten lang. Für Anfang kommender Woche ist ein Trauergottesdienst geplant.

Zur Unglücksursache erklärte der Wetterdienst Salzburg, der feuchte Schnee sei mit einem Gewicht von 300 Kilo pro Kubikmeter extrem schwer gewesen. Insgesamt hätten zum Zeitpunkt des Einsturzes mindestens 180 Tonnen Schnee auf dem Dach gelegen. „Der Schnee allein kann nicht die Ursache sein“, sagte allerdings der frühere Präsident der Berliner Baukammer Horst Franke N24. Statikexperten vermuten bautechnische Mängel als Ursache und forderten regelmäßige Überprüfungen bei größeren Gebäuden durch unabhängige Gutachter.

Der Traunsteiner Polizeisprecher Fritz Braun widersprach dagegen Darstellungen, die Dachkonstruktion der Halle sei mangelhaft gewesen. Im ZDF sagte er, es habe Überlegungen im Stadtrat gegeben, vor allem sanitäre und technische Einrichtungen in der Eis- und Schwimmhalle zu erneuern. Auch Bürgermeister Wolfgang Heitmeier bezeichnete den Einsturz als „derzeit nicht erklärbar“ und wies Vorwürfe zurück, das Gebäude sei sanierungsbedürftig gewesen.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer wollte zunächst keine näheren Angaben machen: „Heute ist nicht der Tag der Ermittlungen, sondern der Tag der Trauer und des Mitgefühls.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Hinterbliebenen ihr Beileid aus. Die zumeist jugendlichen Opfer hätten ein grausames Schicksal erlitten, als sie einen unbeschwerten Ferientag erleben wollten. Ministerpräsident Edmund Stoiber zeigte sich bei der Besichtigung des Unglücksorts erschüttert, sagte den Betroffenen einen Hilfsfonds zu und rief die Bevölkerung zu Spenden auf.

Der dichte Schneefall brachte weitere Hallendächer zum Einstürzen, in München und Salzburg gaben insgesamt drei Dächer der Last nach, darunter das Dach eines Bowlingcenters in Salzburg, wie Polizei und Feuerwehr berichteten. Es wurde niemand verletzt. Die Stadt Rosenheim sperrte sicherheitshalber zwei große Sporthallen ab.

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