Bär in Bayern verhaltensgestört
"Der Bär kann gar nichts dafür"

Der im bayrisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreifende Bär heißt "JJ1" und kommt aus Südtirol. Die Verhaltensstörung liegt in der Familie - sein "Benehmen" hat ihn die Mutter "gelehrt". Auch Bruder "JJ2" ist ein Pöbel-Bär.

HB MÜNCHEN. "JJ1", der Bär, der als „Bruno“ in die Schlagzeilen geraten war, nachdem er ein Dutzend Schafe gerissen hatte, stammt aus einem Wiederansiedlungsprojekt im italienischen Trentino. Das sagte der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf dem Fernsehsender N24 am Dienstag. Demnach ist der Braunbär verhaltensgestört, nachdem eine so genannte Vergrämungsaktion auf dessen Mutterbär missglückt sei.

Der Bär wurde laut Schnappauf mit einer Gen-Analyse von den Südtiroler Jagdbehörden identifiziert. „JJ1“ stammt demnach aus einem von der EU mitfinanzierten Wiederansiedlungsprojekt im Südtiroler Naturpark Adamello Brenta. „Seine Eltern heißen José und Jurka, daher sein spezieller Name Jay Jay One“, sagte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn. Der „JJ2“ genannte Zwillingsbruder des Bären hatte vergangenen Sommer in der Schweiz ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er dort ein Dutzend Schafe gerissen hatte.

Beide Bären hätten ihr unnormales Verhalten von ihrer ebenfalls verhaltensgestörten Mutter „gelernt“, sagte Eichhorn. Südtiroler Wildhüter hätten versucht, die Bärin mit Knallkörpern und Gummigeschossen zu vergrämen. Ihre beiden Jungtiere hätten aus der Aktion offenbar gelernt, zwar in menschlicher Nähe gut Beute reißen zu können, bei der Rückkehr jedoch bestraft zu werden. „Deshalb haben wir JJ1 bislang nicht fangen können, weil er anders als normale Bären, niemals zu seinem Rissort zurückkehrt“, sagte Eichhorn.

Die Experten gingen jedoch davon aus, dass der Bär sein Verhalten nie wieder ändern werde und deshalb eine Gefahr darstelle, erklärte Minister Schnappauf. „Dieser Bär wird immer wieder in Ställe einbrechen“, fügte der CSU-Politiker hinzu. Die Behörden würden deshalb ihre Fangbemühungen intensiv fortsetzten. „Zur Sicherheit muss aber auch die Abschussfreigabe aufrechterhalten werden“, betonte Schnappauf.

Zuletzt haben WWF-Experten Tatzen-Spuren des Bären in der Nähe des österreichischen Achensees gefunden. In der Nähe von Achenkirch hätten zudem Jäger in der Nacht auf Dienstag einen gerissenen Rehbock im Wald entdeckt, sagte eine WWF-Sprecherin.

Am Tag zuvor waren zwei von dem Bär gerissene tote Ziegen entdeckt worden. Ein Lastwagenfahrer meldete zudem, er habe beobachtet, wie der Bär die Inntal-Autobahn überquert habe, indem er über die Mittelleitplanke geklettert sei. Die WWF-Sprecherin erklärte, das österreichische Bundessand Tirol habe der Naturschutzorganisation unterdessen eine landesweite Fanggenehmigung erteilt. Die Organisation suche nun nach geeigneten Stellen für das Aufstellen von Lebendfallen.

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