Bahn-Chef Hartmut Mehdorn
Führen wie Gott in Frankreich

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn weiß das Leben in Frankreich zu schätzen. Von der Mentalität der Franzosen hat er viel gelernt. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG über seine Begeisterung für das Nachbarland, dessen Eintöpfe und die Unternehmenskultur auf der anderen Seite des Rheins.

Hartmut Mehdorn stürmt ins Cochon Bourgeois, das „Bürgerliche Schwein“, ein französisches Restaurant in Berlin-Kreuzberg. Er ist ein Anfasser, er begrüßt den Koch am Eingang mit Handschlag, sieht, dass der einen verbundenen Finger hat und scherzt: „Aber der ist jetzt nicht mit verarbeitet worden, oder?“

Mehdorn ist hier Stammgast, da kann er sich was leisten, hier und sonst ja auch. Die Deutschen kennen ihren Bahn-Chef. Er ist schließlich an allem schuld: Verspätungen, dreckigen Zügen, unfreundlichen Schaffnern, Privatisierung, der Abtrennung des Netzes, alles Mehdorn.

Der bullige Ex-Ruderer verteidigt stets, mit heiserer Stimme, seinen Laden und kanzelt ab, die ihm Böses wollen. Geschenkt. So kennen wir ihn eben.

Doch so kennen ihn nur wenige: schwärmerisch, genießerisch, begeistert. Man muss ihm nur mit Frankreich kommen. Der Mann hegt eine große Leidenschaft für das Nachbarland. „Das Leben in Frankreich ist leichter als in Deutschland. Die versuchen dort, nicht alles so zu regeln, und das Leben ist nicht so limitiert“, sagt er.

Das Menü beginnt, als Gruß fährt die Küche Schinken aus Bayonne auf, einen Klassiker aus dem Südwesten des Landes. Dort hat Mehdorn lange gelebt, als er für Airbus in Toulouse arbeitete. Die dortige Küche hat es ihm angetan. Mehdorn ist kein Typ fürs Raffinierte. Er ist Maschinenbauer von der Ausbildung, er liebt das kernigste Gericht aus der Region, Cassoulet, einen klassischen Eintopf. Grundlage sind weiße Bohnen, Speck, Schweinefleisch und Würstchen. Hinzu kommen Lamm, Gans oder Ente.

„Ein Cassoulet mit einer richtig schönen Kruste, das seine zwei Tage geköchelt hat, das ist einfach großartig“, sagt er. Aber das kann man nicht jeden Tage essen, weil es fett und schwer ist. Und gerade muss Mehdorn wieder auf sein Gewicht achten, ewig diese Geschäftsessen, heute Abend noch mal, und er spottet deshalb, er sei „im fünften Monat“.

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