Bahnunglück in den USA
Zugunfall offenbar nicht von Schuss ausgelöst

US-Medien hatten berichtet, ein Schuss haben möglicherweise das Zugunglück in der US-Stadt Philadelphia am vergangenen Dienstag ausgelöst. Doch dafür fand die Transportsicherheitsbehörde keine Beweise.
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PhiladelphiaDas Bahnunglück in der US-Stadt Philadelphia ist nach ersten Ermittlungen nicht durch Schüsse auf den Zug ausgelöst worden. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Windschutzscheibe des am vergangenen Dienstag entgleisten Amtrak-Zuges von einer Pistolen- oder Gewehrkugel getroffen worden sei, teilte die Transportsicherheitsbehörde NTSB am Montag auf Twitter mit.

Es sei aber möglich, dass ein anderes Objekt die etwa faustgroße Bruchstelle in der Scheibe verursacht habe. Unklar sei auch noch, ob der mögliche Einschlag zu dem Unglück beigetragen habe.

Experten schließen nicht aus, dass der Vorfall den Lokführer abgelenkt oder gar veranlasst hat, sich schutzsuchend auf den Boden zu werfen. Das könnte erklären, warum sich die Geschwindigkeit des Zuges eine Minute vor dem Unfall stark beschleunigte.

Laut NTSB könnte die Untersuchung des Unglücks bis zu einem Jahr dauern. Im Laufe der Woche würden weitere Details mitgeteilt. Gerichtsunterlagen zufolge haben inzwischen vier Passagiere, die bei dem Unglück am Dienstag vergangener Woche verletzt worden waren, bei einem Bundesgericht Klage gegen den Zugbetreiber Amtrak eingereicht.

In der Klageschrift ist von einem "tragischen und vermeidbaren" Unfall die Rede, der durch ein "rücksichtsloses Fahren auf den Schienen und (eine) unentschuldbare Entscheidung, nicht das notwendige Sicherheitssystem anzuwenden", verursacht worden sei. Bei den Klägern handelt es sich um zwei Passagiere aus New York und Princeton sowie um zwei spanische Touristinnen. Eine von ihnen wurde nach dem Unglück laut Klageschrift mehrmals operiert, um eine Amputation ihres Arms zu verhindern.

1997 hatte der US-Kongress die Entschädigungszahlungen, die Amtrak an Unfallopfer zahlen muss, auf 200 Millionen Dollar pro Unfall beschränkt, um das Bahnunternehmen vor einem Bankrott zu schützen. Robert Zimmerman von der Anwaltskanzlei Saltz, Mongeluzzi, Barrett and Bendesky, die die aktuelle Klage gegen Amtrak einreichte, bezeichnete die Summe allerdings als "verfassungswidrig und unzureichend". "Wir werden nach Wegen suchen, dies im Gericht und auf dem Gesetzesweg anzufechten", sagte der Jurist der Nachrichtenagentur AFP.

Ersten Ermittlungen zufolge war der Zug auf dem Weg von Washington nach New York mit mehr als 160 Stundenkilometern in eine Kurve gerast und dann von den Schienen gesprungen. Acht Menschen wurden getötet und mehr als 200 verletzt.

Der Zug fuhr doppelt so schnell wie erlaubt. Kurz vor dem Unglück betätigte der Zugführer die Notbremse. Laut einem NTSB-Ermittler wäre der Unfall wohl nicht geschehen, wenn ein System zur Geschwindigkeitskontrolle der Amtrak-Züge auch auf diesem Streckenabschnitt in Betrieb gewesen sei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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