Bangladesch
Zyklon „Sidr“ fordert über 1000 Todesopfer

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern ist der Zyklon „Sidr“ über Bangladesch gefegt. Nach Angaben der United News of Bangladesh sind mindestens 1 100 Menschen ums Leben gekommen. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf ihre Reporter in den betroffenen Gebieten.

HB DHAKA. Der Zyklon „Sidr“ raste am Donnerstagabend über den Südwesten des Landes hinweg und zerstörte nach Angaben der Behörden tausende Stroh- und Lehmhütten. Bäume wurden entwurzelt und Strommasten umgeknickt. In 15 Küstenbezirken wurde die Ernte vernichtet. Die meisten Opfer wurden von umstürzenden Bäumen oder in ihren einstürzenden Häusern getötet, wie ein Sprecher der Behörden sagte. Bis Freitagabend (Ortszeit) seien 629 Leichen geborgen worden, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde in Dhaka, Mohammad Ayub. Die Regierung räumte zugleich ein, dass aus vielen Gebieten wegen zusammengebrochener Kommunikationsverbindungen noch keine Informationen vorlägen.

Der starke Regen und der Orkan mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometern in der Stunde führten zu hohen Wellen, die den Meeresspiegel um mehr als einen Meter ansteigen ließen. Tiefer gelegene Küstengebiete und auch einige Inseln wurden dadurch überschwemmt. Einige Menschen ertranken, als ihre Boote kenterten. Die meisten Todesopfer gab es in den Bezirken Barisal und Bagerhat. In der Hauptstadt Dhaka wurden mehrere Menschen verletzt.

Angesichts der Gewalt des Sturms waren schon am Donnerstag 650 000 Dorfbewohner aus den Küstengebieten ins Landesinnere geflohen. Die Regierung versuchte, sie mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Die umgestürzten Bäume und andere Trümmer sowie fehlende Strom- und Telefonverbindungen behinderten aber am Freitag die Hilfslieferungen in die besonders betroffenen Küstengebiete. Dort wurden vor allem Notunterkünfte gebraucht. Auch internationale Hilfsorganisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) beteiligten sich an dem Einsatz.

Im Dorf Sharankhola in Bagerhat nahe dem Golf von Bengalen warteten Bewohner mehrere Stunden auf eine Lieferung Trockenkekse und Reise, wie ein UNB-Reporter berichtete. „Wir haben alles verloren“, sagte der Bauer Moshararf Hossain. „Wir können nirgends hingehen.“

Bundespräsident Horst Köhler sprach dem Präsidenten von Bangladesch, Iajuddin Ahmed, nach dem verheerenden Unwetter sein Beileid aus. Er habe mit großer Bestürzung von den vielen Toten und Verletzten erfahren, schrieb Köhler am Freitag in einem Beileidstelegramm. „Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen.“

Am Freitag schwächte sich das Unwetter ab, während die Sturmfront nach Nordosten ins Landesinnere weiterzog. In den beiden größten Häfen Chittagong und Mongla war der Betrieb noch unterbrochen. Die Ostküste Indiens blieb von „Sidr“ verschont.

Der Chef der Übergangsregierung, Fakhruddin Ahmed, flog gemeinsam mit Armeechef Moeen Ahmed ins Katastrophengebiet, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das bitter arme Bangladesch wird immer wieder von katastrophalen Zyklonen heimgesucht. Im Jahr 1970 starben in der Region bei dem bislang tödlichsten Zyklon rund eine halbe Million Menschen. 1991 kamen bei einem Zyklon in Bangladesch 140 000 Menschen ums Leben.

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