Barcodes gefälscht
Wie ein Ex-SAP-Manager zum Lego-Dieb wurde

Bizarrer Kriminalfall im Silicon Valley: Ein deutscher Software-Experte soll durch gefälschte Barcodes Lego-Baukästen zu Spottpreisen erstanden und weiterverkauft haben. Sein Haus sah aus „wie ein kleines Legoland“.
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New YorkEs war der „X-Wing Starfighter“ von Lego, der dem Spiel schließlich ein Ende setzte. Am 8. Mai vergangenen Jahres betrat Frank Schmidt (Name geändert) ein „Target“-Warenhaus in Mountain View, Kalifornien. Schmidt, deutscher Staatsbürger und damals Manager beim Softwarekonzern SAP im Silicon Valley, nahm den Bausatz eines „Star Wars“-Raumschiffes aus dem Regal, ging zur Kasse und bezahlte. Viel weiter aber kam er nicht – vor der Tür wurde Schmidt verhaftet.

Der Vorwurf: Der Technik-Experte soll ein raffiniertes Betrugssystem entwickelt haben. Am heimischen Computer bastelte er demnach die Parallel-Striche von Barcodes nach und klebte sie in „Target“-Läden über die Original-Codes auf den Verpackungen. Die Scanner an den Kassen, die die Striche in Preise übersetzen, fielen darauf herein – und zeigten einen deutlich niedrigeren Betrag an. Schmidt hatte es laut Polizei ausschließlich auf Lego-Teile abgesehen, die er später mit Gewinn über Ebay verkaufte.

Es ist ein bizarrer Fall. Warum hat es ein gut verdienender Software-Manager nötig, mit ausgeklügelter Technik eine ramschige Ladenkette zu betrügen? Warum setzt er wegen ein paar Dollar möglicher Zusatzverdienste mit Kinderspielzeug seine berufliche Existenz aufs Spiel? Immerhin war Schmidt damals Vice President bei SAP Labs, einer Abteilung des deutschen Konzerns in Palo Alto. Oder ist er gar kein Krimineller, sondern nur ein leidenschaftlicher Lego-Sammler und Technik-Freak, wie ihn sein Anwalt Geoffrey Carr im Gespräch mit Handelsblatt Online beschreibt?

Fest steht jedenfalls, dass Schmidt, heute 48, ein großer Fan der bunten Plastiksteine ist. Davon konnten sich Polizisten überzeugen, die nach Schmidts Verhaftung dessen großzügiges Haus in den Hügeln von San Carlos durchsuchten. In einem Raum stapelten sich Hunderte, überwiegend ungeöffnete Lego-Kästen. „Es sah aus wie in einem kleinen Legoland“, sagte damals Staatsanwältin Cindy Hendrickson. Zudem fanden die Ermittler Plastiktüten mit Barcode-Ausdrucken.

Zu dieser Zeit unterhielt Schmidt demnach auch einen Ebay-Account, über den er ab April 2011 mehr als 2000 Produkte verkaufte, das meiste davon war Lego. Den Gesamtumsatz beziffert die Staatsanwaltschaft auf 30.000 Dollar, wobei sie offen lässt, ob die Einnahmen tatsächlich von Barcode-Tricksereien stammen.

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Formelles Urteil für Anfang September angekündigt

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  • Geht mir genauso, arbeite auch seit 5 Jahren mit SAP Basis und habe mir als Nebenhobby um überhaupt noch das Gefühl zu haben am "Leben zu sein" (vom Beruf bekommt man ja keine Kicks mehr, das SAP wirklich eine langweilige Technologie ist) mit dem Zocken an der Börse angefangen, LOL! :-) Get your kicks on Route 66... mit SAP jedenfalls nicht. Mit der neuen Strategie Ausrichtung SAP für den Endkonsumenten attraktiv zu machen ist es so als würde man einem Vegetarier veruschen das McDonalds Essen schmackhaft zu machen.

  • Wer bei SAP im mittleren Management arbeitet hat sehr wahrscheinlich keine materiellen Probleme. Es würde mich aber nicht wundern, wenn der eine oder andere mit Langeweile und Zweifeln an der Sinnhaftigkeit seiner Arbeit zu kämpfen hat. Da ist es natürlich verlockend sich ein Hobby zu suchen, dass einem etwas mehr Nervenkitzel bereitet.

    Vielleicht täte SAP seinen Mitarbeiter einen großen Gefallen, mit der Verkürzung ihrer Innovationszyklen.

    Ich arbeite selbst seit Jahren im SAP Bereich und gebe mir aber große Mühe nicht vom rechten Weg abzukommen. Allerdings schreibe ich schon ziemlich viele Kommentare zu den Artikeln des Handelsblatts ;-)

  • Scheint ja Top Gehälter bei SAP zu geben wenn die MAs schon klauen gehen.. :-D

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