Bausparen auf Globalisierungskurs
Schaffe, schaffe, Häusle baue - jetzt auch in Fernost

Wenn Herr Li auf dem Fernsehschirm erscheint, versammeln sich in der chinesischen Millionenstadt Tianjin ganze Familien vor dem TV-Gerät. Denn Li plaudert über etwas ganz Neues, das Bausparen - und am Ende des Werbe-Spots lacht der bekannte Bausparfuchs aus Schwäbisch Hall über die Mattscheibe.

HB STUTTGART. Das gute alte deutsche Bausparen ist auf Globalisierungskurs. In China wurde der Anfang gemacht. Die erste Bausparkasse im Reich der Mitte, ein Joint Venture des deutschen Marktführers Schwäbisch Hall mit der China Construction Bank, ist seit Februar aktiv. Und die Beratungsstellen in Tianjin sind voll. „Wir erwarten im Jahr 2004 rund 25  000 Verträge“, sagte Schwäbisch-Hall-Vorstandschef Alexander Erdland.

Aber auch in anderen Teilen der Welt stößt das deutsche Bausparen auf immer mehr Interesse. BHW-Chef Reinhard Wagner ist vor zwei Jahren in Indien erfolgreich in das Geschäft mit der Baufinanzierung eingestiegen und denkt jetzt darüber nach, auch das Bausparen in dem riesigen Land einzuführen. Den Wohnungsbedarf in Indien schätzt das BHW auf 23 Millionen Einheiten. Die Frage, ob Wohneigentum per Bausparen oder „Muttiwohnen“ cool ist, haben etliche osteuropäische Staaten schon seit Jahren entschieden.

Ob Schwäbisch Hall, BHW oder Wüstenrot - alle großen privaten deutschen Bausparkassen wurden nach der Öffnung der Märkte mit offenen Armen etwa in Tschechien, der Slowakei oder Ungarn empfangen. Auch einzelne Landesbausparkasen sind im europäischen Ausland aktiv geworden. In Tschechien ist das Bausparen inzwischen zu einer Art Volkssport geworden - über die Hälfte der zehn Millionen Einwohner besitzt heute einen Bausparvertrag. Vor wenigen Tagen erst gab Schwäbisch Hall den Startschuss zur ersten Bausparkasse in Rumänien.

Der Export des deutschen Bausparens, dass sich nach dem Ende des Aktienbooms auch in seiner Heimat wieder größerer Beliebtheit erfreut, hat für Erdland leicht nachvollziehbare Gründe. „Es gab eine Sehnsucht nach den positiven Erfahrungen der westlichen Nachbarn“. Außerdem waren einige der neuen Regierungen in Osteuropa bereit, das Know-how aus der großen Bausparnation Deutschland anzunehmen. Dazu gehörte auch die Beratung bei der Formulierung eines Bauspargesetzes. Osteuropa bietet sich als Markt auch deshalb an, weil andere europäische Märkte verschlossen sind.

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