Becker kommentiert Wimbledon
Atempause im Wohnzimmer

Boris Becker wird derzeit von Nachrichten und Gerüchten rund um seinen Finanzstatus verfolgt. Beim Tennisturnier in Wimbledon steht er besonders im Fokus. Doch nicht als Privatmann, sondern als TV-Experte.
  • 0

London Boris Becker scherzte mit der britischen Tennisgröße Tim Henman und analysierte gewohnt fachkundig den Auftritt des zweimaligen Wimbledon-Champions Rafael Nadal. „Wir wollten alle sehen, wie Nadal auf Rasen spielt. Was ich bislang gesehen habe, wirkt er stark, selbstbewusst, hungrig“, sagte Becker (49) am Mittwochabend im TV-Sender BBC. Er plauderte noch ein bisschen über den Kampfgeist des Spaniers, über Roger Federer, Andy Murray oder seinen früheren Schützling Novak Djokovic. Becker trug einen hellen Sommeranzug, den oberen Knopf des blauen Hemdes hatte er geöffnet.

Becker wirkte aufgeräumt und gut gelaunt, als er auch am dritten Turniertag in Wimbledon seiner Rolle als Fernsehexperte für die BBC nachging. Unbequeme Fragen musste er nicht beantworten, lästige Schlagzeilen aus der Heimat nicht kommentieren. Am Freitag ist es 32 Jahre her, dass der damals 17-Jährige aus Leimen das bedeutendste Tennisturnier des Planeten gewann und die Sportwelt erschütterte.

Hier, im altehrwürdigen All England Lawn Tennis and Croquet Club, hat Becker seine größten Erfolge gefeiert, seine schönsten Momente erlebt. 1985, 1986 und 1989 triumphierte er auf dem Heiligen Rasen.

Und auch jetzt, in diesen etwas merkwürdig anmutenden Sommertagen 2017, fühlt sich Becker hier offenkundig wohl. In seinem Wohnzimmer Wimbledon, wie es immer so schön heißt. Die Zuschauer schauen interessiert hoch, wenn Becker mit seinem schweren Gang nach einer Hüftoperation und Problemen am Sprunggelenk vorbeiläuft. Mal lächelt er freundlich zurück, mal winkt er kurz in die Menge. Nur reden will Boris Becker im Moment nicht. Zumindest nicht öffentlich über Dinge, die nichts mit Tennis zu tun haben. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte er vor einer Woche: „Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite.“

Sein Anwalt wies am Dienstag eine neue Millionenforderung gegen die frühere Nummer eins der Welt zurück. Es handele sich um den untauglichen Versuch, „über öffentlichen Druck eine nicht berechtigte Forderung“ gegen Becker durchzusetzen, hieß es in einem Statement des Becker-Anwalts Christian-Oliver Moser. Zuvor hatte eine Schweizer Anwaltskanzlei eine entsprechende Pressemitteilung verbreitet.

Demnach macht ein ehemaliger Geschäftspartner eine Forderung in Höhe von 40 Millionen Schweizer Franken (rund 36,5 Millionen Euro) geltend. Knapp zwei Wochen zuvor hatte Becker über zwei deutsche Anwälte Medienberichte dementiert, wonach er pleite sei. Ein Gericht in London hatte den dreimaligen Wimbledonsieger in einer bestimmten Forderungsangelegenheit für zahlungsunfähig erklärt. „Das Verfahren betrifft ein Darlehen, das Herr Becker binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte“, erklärte einer seiner damaligen Anwälte. Doch zuletzt verging kaum ein Tag, an dem in Deutschland nicht neue Schlagzeilen erschienen.

Via Twitter wehrte sich Becker noch am Mittwoch gegen einen Bericht, der „keine Fakten“ enthalte, und Meldungen über ein angeblich abgeschlepptes Luxusauto. Er ließ durch die sozialen Netzwerke die Öffentlichkeit wissen, dass er einen schönen Abend mit seiner Frau verbringe und stolz auf seine Kinder sei. Wie selbstverständlich kommt er morgens auf die Anlage an der Church Road und geht seiner Arbeit als TV-Experte nach. Und auch die britischen Medien scheinen sich für die Vorgänge in Deutschland nicht so recht zu interessieren.

Die „Times“ widmete dem Thema am Donnerstag eine knappe Meldung auf ihrer Nachrichtenseite. In den Sportteilen der bunten Blätter ging es um die Plage der fliegenden Ameisen am Vortag, ein Affärchen um ein geklautes Spielerhandtuch oder den schimpfenden russischen Tennisprofi Daniel Medwedew. Über Boris Becker kein Wort.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Becker kommentiert Wimbledon: Atempause im Wohnzimmer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%