Bedächtiger Ton kommt gut an
"Es ist fantastisch, es ist unfassbar"

Seine ersten Schritte als Papst Benedikt XVI. tat er mit äußerstem Bedacht, mit großer Vorsicht. Jubelnde Menschenmengen, frenetischer Beifall - so etwas war dem Kardinal Joseph Ratzinger aus dem bayerischen Marktl bisher so gut wie nicht vergönnt.

HB ROM. Beinahe schüchtern schien sich der 78-Jährige zu bewegen, die Mittelloggia des Petersdoms in Rom ist schließlich für ihn fremdes Terrain - sie ist für Päpste reserviert.

Ratzinger, der „Chefdenker“, der einstige Professor, kennt sich bisher eher am Katheder und am Schreibtisch aus. Mehrere Minuten, fast quälende Minuten dauerte es, bis ein Lächeln über sein Gesicht huschte. Wird der kühle Verstandesmensch Ratzinger den Umgang mit den Massen lernen, mit Hunderttausenden Gläubigen, die fortan zu ihm aufschauen werden? Nach dem „Medienpapst“ Johannes Paul II. waren diese ersten Minuten vor dem Glaubensvolk auch so etwas wie eine Feuerprobe.

„Liebe Brüder, liebe Schwestern, nach dem großen Papst Johannes Paul II... .“ beginnt er seine Rede bedächtig, „bin ich nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn“, ruft er der Menschenmasse auf dem Petersplatz zu. Und tatsächlich, das ist er, der Ton, der in dieser Stunde auf dem Petersplatz ankommt. Die Menschenmenge jubelt, sie rast fast vor Begeisterung - die Kritik, die in Deutschland mitunter auf den Kardinal niederprasselt, ist hier im fernen Rom so gut wie unbekannt.

Zehntausende Römer und Touristen auf dem Petersplatz grüßen jubelnd den lächelnden 78-Jährigen auf der Loggia des Petersdoms. „Papa - papa - papa“ - immer wieder skandiert die begeisterte Menge das italienische Wort für Papst. Ratzinger hebt die Arme und winkt den Menschen zu. Regenschirme, Flaggen und Poster schwenkend heißen die Gläubigen und Schaulustigen auf dem Platz das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche willkommen.

„Es ist fantastisch. Es ist unfassbar“, stößt ein deutscher Student hervor, als die Schweizer Garde über den Petersplatz marschiert und Kardinäle in rot-weißen Chorgewändern mit dem neuen Papst auf die Loggia über dem Platz treten.

„Es ist wundervoll, denn ich habe meine gesamte Familie hier hergebracht, um dies zu sehen. Wenn meine Kinder so alt sein werden wie ich, werden sie daran zurückdenken und ihren Kindern davon berichten“, sagt der 39-jährige Antonio Sette, der mit seiner Frau, seiner zehnjährigen Tochter und seinem achtjährigen Sohn aus dem süditalienischen Bari nach Rom gereist war. Andere zeigen sich enttäuscht: „Es ist ein historischer Moment, aber ein sehr trauriger“, sagt Agusti Capdevila aus Barcelona. „Er ist ein Konservativer. Er ist sogar noch konservativer als Johannes Paul II.. Alles, was er tun wird, ist verurteilen, verurteilen, verurteilen.“

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