Bei Dax-Konzernen sprudeln Gewinne
„Die wahren Reformer sind die Unternehmer“

Allen Diskussionen über Reformstau und Konjunkturflaute zum Trotz können die großen Konzerne über das Jahr 2005 kaum klagen. Die Gewinne sprudelten meist kräftig.

HB MÜNCHEN. "Die wahren Reformer im Land sind die Unternehmer", sagt Hypovereinsbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die großen Firmen hätten unter anderem die Kosten gesenkt und das Auslandsgeschäft ausgebaut. Daher sei auch im kommenden Jahr mit weiter steigenden Gewinnen zu rechnen. Schattenseite der Produktivitätsverbesserungen ist allerdings der weitere Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland bei vielen großen Unternehmen.

Zu den Großverdienern gehören die Energiekonzerne. Eon kann sich in diesem Jahr über einen Rekordgewinn freuen. Bereits nach neun Monaten hatten Firmenverkäufe und höhere Energiepreise einen Überschuss von 6,4 Mrd. Euro in die Kassen gespült. Damit wurde der bisherige Bestwert des Gesamtjahres 2003 bereits um mehr als ein Drittel übertroffen. Konkurrent RWE will in diesem Jahr das Nettoergebnis von zuletzt 2,1 Mrd. Euro um einen einstelligen Prozentsatz verbessern.

Auch in anderen Branchen läuft es gut. So verdiente die Deutsche Bank in den ersten neun Monaten nach Steuern mit drei Mrd. Euro bereits mehr als im gesamten Vorjahr. Auch die Deutsche Telekom (Nettogewinn 4,4 Mrd Euro nach neun Monaten) und die Deutsche Post (1,3 Mrd. Euro) können in diesem Jahr glänzen.

Zwar gab es auch Ausreißer nach unten. So brach bei Siemens im Geschäftsjahr 2004/05 (30. September) wegen der Aufräumarbeiten in den Problemsparten der Gewinn von 3,4 auf 2,25 Mrd. Euro ein. Auch die Autofirmen haben angesichts hoher Rohstoffpreise und Rabattschlachten zu kämpfen. So könnte beim erfolgsverwöhnten Autobauer BMW der Vorsteuer-Gewinn trotz hoher Absatzzuwächse von zuletzt 3,5 Mrd. Euro um bis zu zehn Prozent sinken.

Insgesamt aber kann sich die Jahresbilanz der Dax-Unternehmen sehen lassen, ist Peter Baumgartner, Geschäftsführer der Beratungsfirma Mercer Management Consulting, überzeugt. "Die meisten Unternehmen haben schlichtweg ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht." Die Konzerne hätten ihre Kostenstrukturen in den Griff bekommen, das Personal angepasst, neue Produkte entwickelt und sich wieder verstärkt um den Kunden gekümmert.

Dabei profitierten die meisten Unternehmen von der brummenden Weltkonjunktur. Ohne das starke Auslandsgeschäft wären solche Zahlen aber nicht möglich. "Die großen Firmen machen deutlich über die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland", sagt ifo-Experte Gernot Nerb. Entsprechend werde auch ein Großteil der Gewinne mittlerweile außerhalb Deutschlands generiert. Die gute Ertragslage zeigt nach Einschätzung Nerbs aber auch: "Der Standort Deutschland ist nicht so schlecht." Viele Nachteile seien inzwischen verschwunden.

Für Mercer-Experte Baumgartner ist der deutsche Anlagen- und Maschinenbau ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Industrie. Mittelständisch geprägt halte er weltweit in 24 von 48 unterschiedlichen Produktsegmenten die Spitzenposition - von der Fördertechnik bis zu Holzbearbeitungsmaschinen. Mit einer Exportquote von über 70 Prozent sei der Maschinenbau zudem Exportweltmeister. Das Beispiel zeige, dass sich die deutsche Industrie mit den richtigen Lösungsansätzen auch in einem schwierigen Umfeld behaupten könne.

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