Bei Routinekontrollen
Polizei erschießt Jugendlichen nahe Ferguson

US-Polizisten haben unweit der Stadt Ferguson einen schwarzen Jugendlichen erschossen – Dort war es wegen eines ähnlichen Todesfalls zu Protesten gekommen, die sich inzwischen über das ganze Land erstrecken.
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St. LouisUnweit der US-Stadt Ferguson im Bundesstaat Missouri hat ein weißer Polizist einen schwarzen Teenager erschossen. Nach Angaben der Polizei richtete der Jugendliche bei einer Routinekontrolle auf einer Tankstelle in der Nacht zum Mittwoch eine Waffe auf den Beamten. Der Polizist habe in Notwehr gehandelt. Die afroamerikanische Mutter des 18-jährigen Antonio Martin identifizierte später ihren Sohn.

Unmittelbar nach dem Todesfall in der Stadt Berkeley kam es am Tatort zu Protesten. Demonstranten lieferten sich Rangeleien mit der Polizei, auch Müllcontainer gerieten in Brand. An der Tankstelle versammelten sich nach Polizeiangaben später 200 bis 300 Leute. Einige hätten Steine und Feuerwerkskörper auf die anwesenden etwa 50 Polizisten geworfen. Zwei Beamte seien verletzt und vier Personen festgenommen worden.

Ferguson - eine Vorstadt von St. Louis - hatte im Sommer Schlagzeilen gemacht, nachdem dort ein weißer Polizist den 17-jährigen unbewaffneten Schwarzen Michael Brown mit zahlreichen Schüssen tötete. Es folgten tagelangen schwere Unruhen. Eine Geschworenenjury entschied später, dass der Polizist nicht vor Gericht muss. Auch in anderen Landesteilen wie etwa in New York sorgten darauf Berichte über Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze für Empörung.

„Wir sind anders als Ferguson“, betonte der Bürgermeister von Berkeley, Theodore Hoskins, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Im Gegensatz zu Ferguson seien viele Polizisten und Beamte der Stadt Afroamerikaner. Der Polizist habe durch seine Schüsse vermutlich sein Leben gerettet. Es gebe aber neben den Ermittlungen der Polizei auch eine unabhängige Untersuchung der Stadt.

Zunächst hatte die Polizei nicht die Hautfarbe des Schützen und des Opfers mitgeteilt. Die Polizisten seien bei ihrer Routinekontrolle auf zwei Männer gestoßen, von denen einer eine Waffe auf die Polizisten gerichtet habe. Der Beamte habe „Angst um sein Leben“ gehabt und mehrere Schüsse abgegeben. Der zweite Mann sei geflüchtet. Am Tatort sei eine Waffe sichergestellt worden.

Polizeichef Jon Belmar sagte auf einer Pressekonferenz, der Zwischenfall sei für alle Beteiligten tragisch. "Es gibt keine Gewinner, es gibt nichts als Verlierer", betonte er.

In New York kam es in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) erneut zu Protesten gegen Polizeigewalt. Laut „New York Daily News“ waren einige Hundert Demonstranten auf den Straßen, obwohl Bürgermeister Bill de Blasio um eine Pause gebeten hatte. Erst sollten zwei am Wochenende erschossene Polizisten beerdigt sein, hatte de Blasio erklärt. Die Demonstrationen seien friedlich verlaufen, hieß es.

Anfang Dezember hatte ein Geschworenengremium entschieden, einen weißen Polizisten für den Tod des schwarzen Eric Garner in New York nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Der Polizist hatte Garner bei der Festnahme wegen angeblich illegalen Zigarettenhandels in den Würgegriff genommen. Dessen Hilferufe, er bekomme keine Luft mehr, ignorierte er. Der asthmakranke Schwarze, ein sechsfacher Familienvater, starb wenig später.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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