Beileidstelegramm von Außenminister Fischer
Für Experten wird Absturz immer mysteriöser

Auch einen Tag nach dem Absturz der Boeing 737 mit einem deutschen Piloten haben Experten keine Erklärung für die Probleme, die zu der Katastrophe nahe Athen mit 121 Toten geführt haben. Viele Passagiere lebten einer Untersuchung zufolge jedenfalls bis zuletzt. Unterdessen hat die zyprische Polizei die Büros der Fluggesellschaft Helios durchsucht.

HB ATHEN/FRANKFURT. „Je mehr Fakten wir bekommen, desto mysteriöser wird das Ganze“, sagte Markus Kirschneck, Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Cockpit am Montag in Frankfurt. „Für mich ist der Absturz bislang unerklärlich.“ Ein plötzlicher Rückgang des Kabinen-Drucks allein könne die Katastrophe nicht ausgelöst haben. „So etwas kommt weltweit einmal pro Woche in einem Flugzeug vor und ist absolut beherrschbar.“

Die Frage sei, warum nach dem offensichtlichen Druckverlust die Piloten unfähig zum Handeln gewesen seien. In den Maschinen gebe es je ein Sauerstoffsystem für die Pilotenkabine und eines für die Passagiere. „Ein Druckabfall an sich ist kein Absturzgrund. Wir Piloten trainieren einen solchen Vorfall jedes Jahr im Simulator.“ Die Maschine werde dann im Sinkflug von 10 000 auf 3 000 Meter Höhe gebracht. Dann werde gegebenenfalls der nächste Flughafen angesteuert. „Der Sinkflug aber ist bei dieser Maschine ganz offensichtlich nicht eingeleitet worden.“

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist bislang unklar, ob der Deutsche an Bord Pilot oder Co-Pilot war. Bei den deutschen Luftfahrtbehörden hieß es, der Mann, ein 58-jähriger Berliner, sei ein unauffälliger Flugzeugführer gewesen. „Bei seinen Lizenzen sieht alles normal aus, es ist nichts Auffälliges festzustellen.“ Nach Angaben der zyprischen Regierung waren neben dem Deutschen vier Armenier, zwölf Griechen und 104 Zyprer in der Maschine. Bundesaußenminister Jochka Fischer sprach in einem Telegramm seinen Amtskollegen, den Menschen in Zypern und denen in Griechenland sein Beileid aus.

Nach Angaben des zyprischen Transportministeriums wollte die Fluggesellschaft Helios Airways, in deren Auftrag die Boeing unterwegs war, an, zunächst alle ihre Flugzeuge am Boden lassen. Helios wies dies aber zurück und erklärte, die Maschinen würden wie geplant fliegen. Zuvor hätten sich am Montag auf Zypern bei einem anderen 737-Flug Besatzung und Fluggäste geweigert, mit einer Maschine der Helios zu fliegen. Die Firma wurde 1999 als erste private zyprische Fluggesellschaft gegründet. Seit Ende 2004 gehört sie dem britischen Ferienanbieter Libra Holidays.

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