Belgiens Bürger enttäuscht über ihre Polizei: Dutroux' Ex-Frau ließ zwei Opfer verhungern

Belgiens Bürger enttäuscht über ihre Polizei
Dutroux' Ex-Frau ließ zwei Opfer verhungern

Einer der umstrittensten Anklagepunkte gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux wurde am Dienstag in Arlon verhandelt: Der Leiter der Ermittlungen, Jacques Langlois vollzog die Entführung der beiden im Juni 1995 achtjährigen Mädchen Julie und Mélissa nach.

HB ARLON. Marc Dutroux bestreitet bis heute, der Täter zu sein. Er behauptet hingegen, die Mädchen seien ihm gebracht worden und beschuldigte Michel Nihoul der Tat. Die Eltern beider Mädchen haben den Kampf mit der Justiz bereits aufgegeben. Nach zahlreichen Ermittlungspannen nehmen sie nicht als Nebenkläger im Prozess teil.

Die Aussagen der geschiedenen Ehefrau des Kinderschänders sind in Bezug auf diese erste Entführung wesentlich. Michelle Martin kam auch bei der späteren Einkerkerung der Mädchen eine wesentliche Rolle zu. Langlois berichtete, Martin hätte wochenlang gezögert, bis sie den Kindern Nahrung brachte. Später habe sie das Kinderversteck verbarrikadiert und die Mädchen dem Hungertod überlassen.

Die 44-jährige gab sich vor Gericht als willenloses Werkzeug ihres Ex-Mannes, von dessen Einfluss sie sich erst im Gefängnis habe lösen können. Dennoch beruht die Anklage gegen Dutroux in wesentlichen Teilen auf Martins Aussagen. Er habe sich damals sogar mit der Entführung der Mädchen vor seiner Frau gebrüstet: „Er war stolz auf seine Tat.“

Dutroux und Martin bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Deshalb ist die Anklage zur Entführung der beiden Achtjährigen schwierig: Die einzige Augenzeugin, die Julie und Mélissa in ein Auto einsteigen sah, konnte den Täter nicht klar identifizieren.

Auch in diesem Fall sind wieder Pannen der Polizei deutlich geworden: Ein Spürhund sei falsch eingesetzt worden, wie Langlois erläuterte. Belgiens Bürger debattieren inzwischen offen über die Kompetenz ihrer Polizei. Die Beamten schweigen die Angelegenheit lieber aus: „Sie vermeiden es, auf die angeblichen Fehler des einen oder anderen zurückzukommen“, sagte der Lütticher Kripochef Jacques Chantry über seine Fahnder. Zu leicht, so sein Argument, könnten solche Diskussionen abgleiten.

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