Beltrán-Leyva-Clan
Drogenboss in Mexiko gefasst

Héctor Beltrán Leyva war einer der meist gesuchten Kriminellen Mexikos und Chef des Beltrán-Leyva-Kartells, das in den Drogen- und Waffenschmuggel verwickelt ist. Dauerhaft schwächen können Festnahmen die Kartelle nicht.
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Mexiko-StadtMexikanische Soldaten haben den Chef des Beltrán-Leyva-Kartells festgenommen. Héctor Beltrán Leyva alias „El H“ sei in einem Restaurant in der Stadt San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato gefasst worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwochabend (Ortszeit) mit.

Er war einer der meist gesuchten Verbrecher des Landes. Die USA und Mexiko hatten jeweils ein Kopfgeld in Millionenhöhe auf den 49-Jährigen ausgesetzt. Beltrán Leyva habe zuletzt als Unternehmer getarnt in dem benachbarten Bundesstaat Querétaro gelebt, sagte der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft, Tomás Zerón de Lucio. Dem Zugriff seien elfmonatige Ermittlungen vorausgegangen.

Der 49-Jährige führte das Verbrechersyndikat, nachdem sein Bruder Arturo 2009 bei einem Feuergefecht von Marineinfanteristen erschossen worden war. Zwei weitere Brüder von Beltrán Leyva sind in Haft.

Das Kartell ist vor allem im Westen und Zentrum des Landes aktiv. Es schmuggelt Kokain, Marihuana, Heroin und Methamphetamine in die Vereinigten Staaten. Im Gegenzug schafft die Bande Waffen und Munition aus den USA nach Mexiko. Der Familienclan hatte dem Sinaloa-Kartell einst als bewaffneter Arm gedient.

Als im Jahr 2008 Alfredo Beltrán Leyva festgenommen wurde, kam es zum Bruch. Die Brüder beschuldigten das Sinaloa-Kartell von Joaquín „El Chapo“ Guzmán, Alfredo ans Messer geliefert zu haben. Der Clan erklärte den einstigen Verbündeten den Krieg und tötete Guzmáns Sohn Edgar. Nach einer Reihe von Festnahmen und internen Kämpfen gilt das Kartell als geschwächt.

Zuletzt schmiedeten die Beltrán Leyvas eine Allianz mit der kriminellen Organisation „Los Zetas“. Gemeinsam unterhalten sie die gefährlichsten Todesschwadronen des Landes. Das Sinaloa-Kartell ist der gemeinsame Feind und schweißt die Banden zusammen. Analysten bewerten das Bündnis allerdings als brüchig.

Héctor Beltrán Leyva war der letzte der Gründer des Kartells, der auf freiem Fuß war. Er galt als Finanzfachmann. Das US-Außenministerium hatte ein Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar (vier Millionen Euro) auf Beltrán Leyva ausgesetzt. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft bot 30 Millionen Pesos (1,8 Millionen Euro) für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen.

Zuletzt hatten die mexikanische Sicherheitskräfte eine Reihe prominenter Drogenbosse festgenommen: Im Februar fassten Marineinfanteristen den legendären Chef des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán. Im vergangenen Jahr ging den Fahndern der Anführer der „Los Zetas“, Miguel Ángel Treviño Morales, ins Netz.

Nach Einschätzung von Experten schwächen die Festnahmen die kriminellen Organisationen allerdings nicht dauerhaft.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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