Benedikt XVI in der Türkei
Türkei will Papst mit allen Mitteln schützen

Die Türkei scheut im Vorfeld des Papstbesuches keine Mühe, um den Pontifex zu schützen. Hubschrauber, Sprengstoffexperten, Scharfschützen sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Angesichts der Umstände ist die Sorge keineswegs übertrieben.

HB ISTANBUL. Der erste Besuch von Papst Benedikt XVI. in einem muslimischen Land wird von Angst vor gewaltsamen Protesten begleitet: Am Sonntag protestierten 25 000 Menschen in Istanbul gegen den am Dienstag beginnenden Besuch. Anfang des Monats gab ein Mann vor dem italienischen Konsulat Schüsse ab und rief, er werde den Papst erwürgen. Und in der vergangenen Woche besetzten Nationalisten die Hagia Sophia.

Aber die Türkei, die der Welt das Bild eines modernen Staates vermitteln will, scheut keinen Aufwand, damit die Papstreise reibungslos verläuft. Heerscharen von Scharfschützen, Sprengstoffexperten, Bereitschaftspolizisten und Anti-Terror-Experten werden jede Station Benedikts auf seinem am Dienstag beginnenden Besuch sichern. Polizeihubschrauber werden über Istanbul, Ankara und Izmir kreisen und Marine-Kommandos auf Spezialbooten mit Maschinengewehren den Bosporus sichern. Wegen der erwarteten Großdemonstrationen sollen einige Gebiete der Istanbuler Innenstadt abgesperrt werden, die Behörden erstellen Listen der Anwohner.

Einige Anti-Terror-Experten der Polizei erklärten, sie seien besorgt, dass Protestkundgebungen in Gewalt umschlagen könnten. In der Türkei sind mehrere extremistische islamische Organisationen aktiv, darunter auch Gruppen, die dem Terrornetzwerk Al Kaida zugerechnet werden. Dieses wurde für mehrere Selbstmordanschläge auf Synagogen und britische Einrichtungen verantwortlich gemacht, bei denen vor drei Jahren 58 Menschen getötet wurden. 70 mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder stehen deshalb vor Gericht.

Der Stellvertreter von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden, Ajman al Sawahri, hat Benedikt mit Papst Urban II. verglichen, der die Christen im Jahr 1095 zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land aufrief. Und bereits vor der Regensburger Rede Benedikts kam es in der Türkei zu gegen Christen gerichteten Übergriffen: Vermutlich im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen erschoss ein junger Mann im Februar einen katholischen Priester in Trabzon am Schwarzen Meer. Danach wurden zwei weitere Geistliche getötet.

Ausgerechnet der türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca, der 1981 einen Anschlag auf Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. verübte, warnte, dass das Leben des Oberhaupts der katholischen Kirche bei seinem Türkei-Besuch in Gefahr sein könnte. Die antipäpstliche Stimmung könnte auch von einem kürzlich erschienenen türkischen Roman geschürt werden: „Attentat auf den Papst“ von Yücel Kaya spinnt eine Verschwörungstheorie, wonach die konservative katholische Gemeinschaft Opus Dei, die italienische Freimaurerloge P2 und der US-Geheimdienst einen Vorwand für einen Angriff auf den türkischen Nachbarn Iran in Szene setzen. „Wer tötet den Papst in Istanbul?“, lautet der Untertitel des Krimis, dessen Titel ein Bild Benedikts vor einem brennenden Kreuz ziert - und ein bärtiger Killer nimmt den Papst ins Visier.

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