Benedikt XVI. kritisiert Denkrichtung
Hintergrund: Kirche und Relativismus

Papst Benedikt XVI. hat bei einer Messe in Warschau den moralischen Relativismus angeprangert. Diese philosophische Denkrichtung geht davon aus, dass es keine absoluten Wahrheiten und keine absoluten ethischen Werte gibt.

HB HAMBURG. Nach dem Motto „Alles ist relativ“ sind die Vertreter des Relativismus der Meinung, dass Wahrheiten und Aussagen immer von ihren Voraussetzungen abhängig sind. Was für einen bestimmten Menschen gilt, kann vom Standpunkt eines anderen aus nichtig sein, weil beide etwas anderes wahrnehmen.

Vor allem „postmoderne“ Denker seit den 1980er Jahren vertreten relativistische Positionen und berufen sich unter anderem auf den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900, „Jenseits von Gut und Böse“ (1886)). Der so genannte Werterelativismus macht Erkenntnisse und Werte auch von kulturellen Verhältnissen und bestimmten historischen Situationen abhängig. Kritiker monieren, dass so im Extremfall alle sittlichen Maßstäbe fehlen könnten und der Unterschied zwischen gut und böse, wahr und falsch, relativ werde.

Bereits in seiner Enzyklika „Veritas Splendor“ (Glanz der Wahrheit) hatte Papst Johannes Paul II. bereits 1993 vor einem „ethischen Relativismus“ ohne moralische Orientierung gewarnt. Auch Kardinal Joseph Ratzinger hatte vor seiner Wahl zum Papst als „oberster Glaubenshüter“ die „Beliebigkeit der Interpretation“ scharf kritisiert.

Die katholische Kirche geht von unveränderbar gültigen Werten aus. Grundlage hierfür sind die Offenbarung Gottes in Schrift (Bibel) und Tradition (Geschichte). Die Kirche verweist zum Beispiel auf die zehn Gebote im Alten Testament, das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe im Neuen Testament und auf philosophische Vorstellungen eines ebenfalls allgemein gültigen Naturrechts.

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