Benedikt XVI. weht ein scharfer Wind entgegen
Die Welt ist gespalten

In den ersten Stunden nach seiner Wahl zum Papst konnte sich Joseph Ratzinger vor Glückwünschen nicht retten. Die anfängliche Euphorie hat sich gelegt. Nun kommen die Kritiker.

HB BERLIN/ROM/ISTANBUL. Die türkische Presse sieht im neuen Papst einen „Türkei-Gegner“. Die Meinung zieht sich quer durch den Blätterwald. Als Beleg ziehen die Zeitungen Äußerungen von Joseph Ratzinger heran, wonach der Platz der Türkei nicht in der Europäischen Union, sondern in der arabischen und islamischen Welt sei.

Der Deutsche - gerne auch „Panzer-Kardinal“ oder „Rottweiler Gottes“ genannt - sei aus Sicht der Türkei „die letzte Wahl“ gewesen, schrieb die Zeitung „Radikal“. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan habe sich nach dem Tod von Johannes Paul II. einen Italiener gewünscht, behauptet das Blatt „Milliyet“. Die Zeitung „Sabah“ bezeichnete Ratzinger sogar als „ehemaligen Nazi“. Auch andere Zeitungen wiesen darauf hin, dass der Deutsche in jungen Jahren zur Hitlerjugend gehört habe.

Israelische Kommentatoren debattierten ebenfalls über die Rolle Ratzingers in der Hitler-Jugend. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte vor der Papstwahl berichtet, dass Ratzinger am Ende des Zweiten Weltkriegs kurzzeitig in der Hitler-Jugend gewesen sei. Ratzinger hatte dies allerdings schon selbst eingeräumt, aber betont, er habe gemusst. In seinen Memoiren „Salz der Erde“ wird Ratzinger von dem Journalisten Peter Seewald dazu befragt. Er antwortet: „Wir waren zunächst nicht dabei, mit der Einführung der Pflicht-HJ 1941 wurde allerdings mein Bruder pflichtmäßig aufgenommen. Ich war noch zu jung, wurde aber später vom Seminar (seinem Internat) aus in die HJ hineingemeldet. Sobald ich aus dem Seminar weg war, bin ich nie mehr hingegangen.“

Aus der israelischen Politik hingegen kamen wohlwollende Worte. Der israelische Außenminister Silwan Schalom zählt im Kamf gegen Antisemitismus auf Benedikt XVI. „Israel ist hoffnungsvoll, dass wir während der Amtszeit des neuen Papstes in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel weiter vorankommen, und vor dem Hintergrund des neuen Papstes bin ich sicher, dass er wie sein Vorgänger eine mächtige Stimme gegen alle Formen des Antisemitismus ist“, teilte Schalom mit.

Seite 1:

Die Welt ist gespalten

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%