Bericht in der "New York Times"
Gefährliche Viren nur durch Zufall entdeckt

Die hochgefährlichen Grippeviren, die ein US- Institut an tausende Labore weltweit versandt hatte, sind nur durch Zufall entdeckt worden. Sie steckten in einem Virentest.

HB WASHINGTON. Wie die „New York Times“ am Donnerstag berichtete, wurde in einem Labor in Kanada im März die Testprobe einer Frau versehentlich durch die im Testkit steckenden Viren vom Subtyp H2N2 verseucht. Dieser Subtyp hatte 1957 die Asiatische Grippe ausgelöst. Ein zweites kanadisches Labor, das die Probe routinemäßig gegentestete, habe dann Kontakt zur Frau aufgenommen und schließlich festgestellt, dass sie nicht mit dem Virus infiziert war. Daraufhin habe das Labor Alarm geschlagen.

Die amerikanische Behörde zur Seuchenbekämpfung (CDC) stellte unterdessen klar, dass rund 4000 Labore Testkits mit dem Virus erhalten hätten. In US-Medienberichten war zuvor von mehr als 6000 die Rede gewesen. Das sei falsch, sagte eine CDC-Sprecherin auf Anfrage.

Auch sechs Labore in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern hatten die Viren erhalten. Bereits am Mittwoch hatte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts jedoch bestätigt, dass dort die Proben schon vernichtet worden seien. Eine Probe war nach Angaben des örtlichen Gesundheitsamts an ein Labor des US-Hospitals in Würzburg gegangen. Sie sei im Januar dort angekommen und von nur einem Menschen für wissenschaftliche Analysen verwendet worden, sagte Behördensprecher Paul Justice der Nachrichtenagentur dpa. Innerhalb einer Woche sei die Probe aufgebraucht gewesen.

Die Testkits waren seit Herbst vergangenen Jahres im Zuge einer von der US-Akademie für Pathologie (College of American Pathologists) gestarteten Labor-Qualitätskontrolle verschickt worden. Sie stammten aus dem Labor der privaten amerikanischen Gesellschaft Meridian Bioscience. Die Akademie habe das Unternehmen ersucht, ein Grippevirus vom Typ A auszuwählen, ohne einen bestimmten Subtyp zu nennen, zitierte die „New York Times“ am Donnerstag den College- Sprecher Jared Schwartz.

Er sagte der Zeitung zufolge weiter, Meridian habe dann die US- Regelungen für die Versendung von Viren eingesehen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Subtyp H2N2 als Erreger der Biosicherheitsstufe 2 - die zweitniedrigste auf einer Skala von vier - an Labore verschickt werden dürfe. Offensichtlich sei Meridian nicht bekannt gewesen, dass sich die CDC und die Nationale Gesundheitsbehörde der USA genau zu jenem Zeitpunkt mit der Frage einer Anhebung der Sicherheitsstufe für den Subtyp H2N2 auf drei beschäftigten.

Die „Washington Post“ zitierte den Sprecher darüber hinaus mit den Worten, Meridian sei davon ausgegangen, dass das Virus „sicher“ sei, weil es über zahlreiche Generationen hinweg im Labor gezüchtet worden sei, was häufig zu einer Schwächung führe. „Sie (Meridian) haben gegen keine Bestimmungen verstoßen, aber ihr Urteilsvermögen war nicht gut“, sagte Schwartz weiter. Für die Akademie selbst gelte: „Wenn wir gewusst hätten, dass sich H2N2 in den Testkits befand, hätten wir sie nicht verschicken lassen.“

CDC-Direktorin Julie Geberding warnte unterdessen vor öffentlicher Panikmache. Es gebe nur eine „sehr sehr geringe Gefahr der Übertragung“ für die Allgemeinheit, sagte sie am Mittwoch (Ortszeit) in Atlanta. An der Asiatischen Grippe waren Ende der 50er Jahre weltweit zwischen ein und vier Millionen Menschen gestorben.

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