Berichte über geplante Hochzeit mit Sportlerin dementiert
Russisches Boulevardblatt muss nach Putin-Dementi schließen

Der russische Präsident Wladimir Putin (55) hat Berichte über seine angeblich geplante Hochzeit mit einer 31 Jahre jüngeren Turnerin dementiert.

dpa MOSKAU/ROM. „Von dem, was Sie sagen, ist kein Wort wahr“, antwortete Putin am Freitag bei einem Besuch in Italien auf die entsprechende Frage eines Journalisten, wie russische Agenturen meldeten. Die Moskauer Boulevardzeitung „Moskowski Korrespondent“ hatte berichtet, Putin habe sich heimlich von seiner Frau Ljudmila scheiden lassen und wolle die Olympiasiegerin in der Sportgymnastik, Alina Kabajewa (24), heiraten. Am Abend wurde in Moskau bekannt, dass das Blatt sein Erscheinen einstellen muss.

Putin zeigte sich wenig amüsiert über die Gerüchte um sein Privatleben. „Ich habe es schon immer abgelehnt, dass sich jemand mit seiner schnupfenverschmierten Nase und seinen erotischen Fantasien in das Leben eines anderen einmischt“, erklärte der scheidende Kremlchef. Er freue sich zwar, wenn er auf Auslandsreisen nicht mehr ständig zum Konfliktgebiet Tschetschenien befragt werde. Aber dennoch müssten auch bei Fragen an ihn „die Regeln des Anstands“ befolgt werden.

Grundsätzlich sei er der russischen Damenwelt aber schon zugetan, räumte Putin ein. „Unsere russischen Frauen sind die begabtesten und die schönsten“, schwärmte er. „Wenn ihnen überhaupt jemand Konkurrenz machen kann, dann sind das die Italienerinnen“, fügte der Kremlchef im Beisein des künftigen italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi hinzu. Beide Politiker sind seit Jahren eng befreundet. In den Berichten der russischen Staatsagenturen wurde auch am Freitag der Name Kabajewa nicht verwendet. Grund dafür sei eine Anweisung „von oben“, wie in den Redaktionen bestätigt wurde.

Auch Kabajewa, die für die Kremlpartei Geeintes Russland seit kurzem in der Staatsduma sitzt, dementierte die Berichte.

Der Eigentümer der Boulevardzeitung „Moskowski Korrespondent“, der Politiker und Unternehmer Alexander Lebedew, sagte, er halte die Geschichte eher für eine „Zeitungsente“ und legte der Redaktion nah, sich zu entschuldigen. Das Blatt hatte sich bei seinen Putin- Berichten vom 11. und 14. April auf informierte Kreise in Putins Heimatstadt St. Petersburg berufen.

Herausgeber Lebedew ließ am Freitagabend in Moskau mitteilen, er habe die Finanzierung des Blattes gestoppt. Die Zeitung arbeite defizitär, sagte ein Mitarbeiter nach Angaben der Agentur Interfax zur Begründung. Mit dem Putin-Skandal habe die Entscheidung Lebedews nichts zu tun.

Die Meldung von der „Hochzeit des Jahrhunderts“, so die Überschrift in „Moskowski Korrespondent“, war von allen anderen Medien des Landes über Tage ignoriert worden. Es ist in der russischen Medienlandschaft ein ungeschriebenes Gesetz, dass über das Privatleben der Präsidentenfamilie nicht ohne Zustimmung des Kremls berichtet werden darf. Deshalb wird bis heute spekuliert, weshalb die Boulevardzeitung diesen in der Ära Putin einmaligen Tabubruch wenige Wochen vor der Amtsübergabe von Putin an den gewählten Nachfolger Dmitri Medwedew wagte.

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