Berlin und die „große Lösung“
Ein Örtchen für den Reichstag

Rund um Reichstag und Brandenburger Tor geht es bekanntlich besonders fein zu. Die grillenden türkischen Großfamilien wurden genauso vom Rasen verbannt wie die Hobby-Fußballer, auch eine Bratwurstbude musste den Standort wechseln.

HB/dpa BERLIN. Die Grünflächen sind empfindlich, und längst hat sich der Platz vor dem Reichstag als Vorzeigeort der Republik etabliert. Da sollte es auch bei den Toiletten für die Touristen ein bisschen mehr sein, finden die Berliner Behörden. Das Hin- und Her um ein Örtchen vor dem Kuppelbau dauert nun schon Jahre.

Die Besucher, die in langen Schlangen auf dem Platz der Republik stehen und auf Einlass warten, müssen sich noch immer mit einem Provisorium am Rande des Tiergartens begnügen. „Toi Toi & Dixi“ steht auf dem weiß-blauen WC-Container. Innen ist es in etwa so gemütlich wie auf einer Autobahnraststätte, aber recht sauber. Von den Nutzern kommen jedenfalls keine Klagen, heißt es. Anders ist es bei den Wartenden, die 100 Meter weiter vor dem Reichstag stehen. „Das passt doch nicht hierher“, sagt eine Touristin aus Erfurt. „Unmöglich“, meint eine andere Besucherin.

Ein ästhetischer Meilenstein ist der Container wahrlich nicht. Peter Conradi, Präsident der Bundesarchitektenkammer, fühlt sich an eine „Kontrollbude der Volkspolizei“ erinnert. Er hatte schon 1997, zwei Jahre vor der Eröffnung des von Norman Foster umgebauten Reichstags, angemerkt, dass die vielen Besucher gewisse Bedürfnisse haben werden. Nun ist es für Conradi ein „Skandal und ein Beweis für die Unfähigkeit der Berliner Bauverwaltung“, dass bis heute noch nichts geschehen sei. „Große Sprüche, aber nicht einmal ein Scheißhaus bekommen sie hin!“

Auch bei der Firma Hans Wall, die mit ihren City-Toiletten und der Möblierung des Boulevards Unter den Linden das Stadtbild prägt, stößt die WC-Debatte auf Unverständnis. „Das ist uns nicht begreiflich“, sagt Sprecherin Beate Stoffers. Das Unternehmen hätte ein Mehrfachtoiletten-Gebäude, entworfen von dem gefeierten Berliner Architekten Joseph Paul Kleihues, beigesteuert, das aus Werbeflächen andernorts im Bezirk finanziert worden wäre - es wurde abgelehnt. Und so wurde das Hin- und Her zum Musterbeispiel für die Mühlen der Berliner Verwaltung, findet Stoffers. Bis zu 20 Genehmigungen braucht die Firma, bis sie eine Anlage aufstellen darf.

Die Federführung für das WC-Häuschen im Herzen der Republik liegt mittlerweile bei Berlins Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) - denn der Bezirk Mitte habe es versäumt, eine „seriöse Ausschreibung vorzubereiten“, meint Strieders Sprecherin Petra Reetz. Nun soll es die „ganz große Lösung“ („Spiegel“) geben: In einem Wettbewerb ist ein Kiosk ausgeschrieben, mit behindertengerechten Toiletten, Imbiss und Souvenirs. „Es darf ein bisschen mehr sein“, erklärt Reetz. „Dass es den Bedarf gibt, ist fraglos.“ Mit etwas Glück könne der Komplex im Sommer 2004 fertig sein.

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