Berliner Geisterbahnhof
Das lange Warten auf die Kanzler-U-Bahn

Zwölf Jahre nach Baubeginn rollt Berlins „Kanzler-U-Bahn“ immer noch nicht. Das teure Prestigeobjekt zwischen Hauptbahnhof, Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor droht zu einem weiteren Highlight in der reichen Geschichte der Berliner Fehlplanungen zu werden.

dpa BERLIN. Im Berliner U-Bahnhof Bundestag gibt es alles, nur keinen Eingang. Die Zugänge zum Geisterbahnhof mitten im Regierungsviertel sind seit Jahren verriegelt. Zuletzt waren sie im Juni geöffnet, um geneigtes Opernpublikum einzulassen. Im Untergrund gab Regisseur Christoph Hagel eine moderne Fassung der Zauberflöte. Mozart in der U-Bahn, Kulturfreunde reizte dieser ungewöhnliche Ort. Für die Verkehrspolitik der Hauptstadt ist das eher ein trauriges Signal.

Zwölf Jahre nach Baubeginn rollt die „Kanzler-U-Bahn“ noch immer nicht zwischen Hauptbahnhof, Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor. Sie ist zu einer unendlichen Geschichte geworden, wie ein teurer Schildbürgerstreich in der Hauptstadt.

Ende Juli ist es vier Jahre her, dass die Baugrube für den Bahnhof Brandenburger Tor eingerichtet wurde. Das galt immerhin als Hoffnungssignal für den baldigen Start eines Mini-Shuttles unter dem Regierungsviertel, offizieller Name U55, Spitzname „Kanzler-U-Bahn“. Die Hoffnung schwand schnell. Unter anderem verzögerten Grundwasser-Einbrüche den Bahnhofsneubau, der ursprünglich auf 28 Millionen Euro angelegt war. Inzwischen stehen Baukosten-Nachforderungen der Firma Hochtief in Höhe von 22 Millionen Euro im Raum - kein gutes Omen.

Dass am Pariser Platz überhaupt noch gebuddelt wird, nennt der kritische Berliner Fahrgastverband IGEB inzwischen eine „reine Imagesache“. Der Vorsitzende Christfried Tschepe glaubt, dass der U- Bahnbau an weniger prominenter Stelle längst eingestellt worden wäre. Tote Tunnel als stumme Zeugen von Fehlplanungen der Vergangenheit sind im Berliner U-Bahn-Netz keine Seltenheit.

Doch im Regierungsviertel liegen Geisterbahnhöfe auf dem Präsentierteller. Für Bundestagsabgeordnete ist es wenig reizvoll, Besuchergruppen aus dem Wahlkreis auf Dauer an einem Steuergelder-Millionengrab vorbeilaufen zu lassen. Es war der Bund, der Berlin 2002 zwang, die U-Bahn-Arbeiten fortzusetzen. Die Hauptstadt hatte sie zu dieser Zeit aus Geldnot gestoppt. Weitergraben - oder 170 Millionen Euro Bundesgelder als Strafe zurückzahlen, lautete die scharfe Ansage des Bundes. Die hoch verschuldete Hauptstadt ließ zähneknirschend weiterarbeiten und kündigte das U-Bahn-Shuttle zur Fußballweltmeisterschaft 2006 an.

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