„Bermuda-Dreieck“ vor Silicon Valley
High-Tech-Suche nach Microsoft-Experten

Das mysteriöse Verschwinden eines Seglers vor der Küste von San Francisco hat die High-Tech-Elite von Silicon Valley zu einer beispiellosen Suchaktion vereint. Top-Köpfe von Google, Amazon und Microsoft - normalerweise Rivalen in der Computergemeinde - forschen seit Tagen nach dem Informatiker James (Jim) Gray.

HB SAN FRANCISCO. Der bei Microsoft Research federführende Experte ist seit über einer Woche verschollen. Am 28. Januar war der 63 Jahre alte Computer-Pionier und erfahrene Segler bei Sonnenschein mit seinem Boot alleine losgefahren, um die Asche seiner Mutter bei den Farallon-Inseln, rund 50 Kilometer vor der Bucht von San Francisco, im Meer zu verstreuen. Als er am Abend nicht zurückkehrte, meldete ihn seine Ehefrau als vermisst.

Die Küstenwache spricht von einem „großen Rätsel“, dass sie nach vier Tagen intensiver Suche keine Spur von Gray oder seinem 13 Meter langen, rot gestrichenen Segelboot fanden. „Es gibt nicht einen Hinweis, dass er irgendwo dort draußen ist“, zitierte die „Los Angeles Times“ eine Küstenwache-Sprecherin. Per Boot und Flugzeug durchkämmten die Suchteams einen 500 Kilometer langen Küstenabschnitt, im Norden von der Grenze zu Oregon bis nahe Los Angeles im Süden. Schon bevor die Küstenwache am Donnerstag das Handtuch warf, gingen Grays Kollegen und Freunde zur Sache.

Wie ein Lauffeuer, über Blogs und E-Mails, ging der Hilfsappell von Informatik-Professoren in Berkeley zu Google-Mitgründer Sergey Brin, der über „Google Earth“ Satellitenbilder bereitstellte. Die eilig gegründete Suchtruppe „Friends of Jim“ konnte Freunde von Gray beim NASA-Institut Ames in Silicon Valley gewinnen, die ein Spezialflugzeug mit digitalen Kameras auf den Weg schickten.

Mitarbeiter bei Amazon luden tausende von Satellitenaufnahmen auf eine Webseite, die Scharen von Helfern nach jedem noch so kleinen Punkt, der ein Boot sein könnte, durchkämmen. „Dies ist die größte privat organisierte Suchaktion, die ich je erlebt habe“, sagte der langjährige Küstenwachen-Chef von San Francisco, David Swatland, in der „New York Times“.

„Bermudadreieck“-Hypothesen

Gray sei einfach „ein großartiger Kerl, der großartige Arbeit leistete und von jedem gemocht wurde“, erklärte ein Kollege den massiven Einsatz der High-Tech-Branche. Gray hatte 1969 als erster Absolvent des damals jungen Informatik-Studiengangs an der Universität Berkeley den Doktortitel erhalten. Er forschte für Firmen wie IBM und Tandem, entwickelte Software, größere Speicherkapazitäten und Systeme für Datenübertragung. „Jeder, der an einem Bankautomaten Geld abhebt, hat diese Technologie Jim Gray mit zu verdanken“, sagte Oracle-Vizepräsident Mike Olson über seinen Kollegen. „Wir sind zuversichtlich, dass Jim okay ist.“ Die Suche werde fortgesetzt, bis man ihn finde.

Doch eine Woche nach Grays Verschwinden fehlte am Sonntag noch jede Spur von dem graubärtigen Segler. Und jeder Tag bringt neue „Bermudadreieck“-Hypothesen, von angriffslustigen Killer-Walen, die kürzlich nahe San Francisco gesichtet wurden, über eine Kollision mit einem Frachtschiff bis zu riesigen Wellen, die schon manches Boot nahe der Golden-Gate-Brücke in Gefahr brachten. Auch könnte Gray Selbstmord begangen oder sich mit seiner Yacht nach Mexiko abgesetzt haben, wurde in Zeitungsartikeln spekuliert.

Der Informatik-Professor Joseph Hellerstein räumte in der „Times“ ein, dass er und seine Kollegen in Silicon Valley sich selten so hilflos gefühlt haben. „Wir sind Leute, die gewöhnlich Probleme lösen. Wir bauen Sachen. Wir gründen Firmen. Wir schreiben Software. Und wenn es einen Programmfehler gibt, dann beheben wir ihn.“

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