Bernhard Madoff
Boule und Schach im Knast

In dem Jahr nach seiner Verhaftung macht der Betreiber des größten Schneeballsystems in der Geschichte der Wall Street immer wieder von sich reden. Und der Milliardenbetrüger Bernhard Madoff arrangiert sich offenbar mit seinem neuen Leben.
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NEW YORK. Sein erstes Lebenszeichen aus dem Gefängnis ist gleich ein Affront gegen die Börsenaufsicht SEC – und gegen seine Investoren. „Es war ein Alptraum, mit dem ich gelebt habe“, klagte Bernie Madoff in einem Interview mit SEC-Ermittlern. „Ich wünschte, sie hätten mich schon vor sechs oder acht Jahren gefasst.“

In dem Jahr nach seiner Verhaftung macht der Betreiber des größten Schneeballsystems in der Geschichte der Wall Street immer wieder von sich reden. Und er arrangiert sich offenbar mit seinem neuen Leben. Madoff spiele Boule, Dame und Schach und drehe regelmäßig seine Runden über das Gefängnisgelände, heißt es in einem Artikel des „Wall Street Journals“. Im Juni wurde der 71-Jährige zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, die er nun in der Kleinstadt Butner im Bundesstaat North Carolina absitzt – 800 Kilometer von seiner Heimatstadt New York entfernt.

Autogramme gibt er nicht

Madoff hat sich dem Bericht zufolge den Respekt seiner Mithäftlinge verschafft. Für viele der in Butner inhaftierten Betrüger, Bankräuber, und Drogendealer sei er so etwas wie „der Pate“ aus dem gleichnamigen Hollywood-Film, offenbart ein Häftling. Schon einige hätten versucht, sich bei Madoff einzuschleimen. Sie glaubten, Madoff habe irgendwo Geld versteckt und könnte den Ort verraten, hieß es. Doch die Gefängniswächter passen auf, dass ihm niemand zu nahe kommt. Auch Autogramme zu geben, lehne der Milliardenbetrüger strikt ab. Häftlinge hätten danach gefragt, weil sie seine Signatur dann im Internetauktionshaus Ebay hätten versteigern können.

Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten im Fall Madoff weiter. Im vergangenen Jahr haben Madoffs externer Buchprüfer und zwei seiner Programmierer zugegeben, an dem Schneeballsystem beteiligt gewesen zu sein. Die ursprünglichen Beteuerungen des Finanzjongleurs, nur er allein habe das betrügerische System ohne das Mitwissen seiner Mitarbeiter betrieben, ist nichts als eine weitere Lüge.

Auch seine Frau und seine beiden Söhne, die er mit aller Macht aus dem Skandal heraushalten wollte, sind mittlerweile in die Ermittlungen verwickelt. Der Madoff-Treuhänder Irving Picard hat die Familienmitglieder verklagt und wirft ihnen vor, die Firmenkonten als Portokasse für teure Restaurantbesuche und Urlaube missbraucht zu haben.

Picard versucht, rund 20 Mrd. Dollar für die geprellten Investoren wiederzubekommen, und lässt dafür keine Gelegenheit aus, die ehemaligen Statussymbole der Madoffs zu Geld zu machen. Im November wurden die persönlichen Gegenstände aus dem New Yorker Luxusapartment und aus der Strandwohnung versteigert: Ohrringe, Rolex-Uhren und Porzellan brachten über eine Mio. Dollar ein. Das Apartment selbst ebenso wie das Anwesen in Palm Beach im Bundesstaat Florida will allerdings niemand haben. Da sich kein Käufer findet, mussten die Preise heruntergesetzt werden.

Auch wenn Madoff selbst das alles nur noch aus der Ferne wahrnimmt, hält er doch gern an den guten alten Zeiten fest. In der Warteschlange für die Medikamentenausgabe kommt er mit einem künstlerisch begabten Bankräuber ins Gespräch und lässt sich wenig später von ihm porträtieren – allerdings nicht naturgetreu in Gefängniskleidung, bittet Madoff, sondern in Anzug und Krawatte.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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