Berry: "Die Vorstellung zu ertrinken, jagt mir eine Gänsehaut ein“ Sexsymbol auf Gruseltrip

Sie gewann als erste farbige Schauspielerin den Oscar für die weibliche Hauptrolle. Jetzt brilliert Halle Berry im Schocker „Gothika“ als Psychologin.
  • Markus Tschiedert (Handelsblatt)
Halle Berry in der Rolle einer Psychologin in dem Thriller "Gothika".

Halle Berry in der Rolle einer Psychologin in dem Thriller "Gothika".

Millionen Männer würden alles dafür geben. Einmal mit Halle Berry einen Kuchen backen. Genau damit entspannt sich die Filmdiva nach anstrengenden Drehtagen. „Alles sehr normal und bodenständig“, sagt sie augenzwinkernd. Der Kontrast zu ihrem Filmimage könnte nicht größer sein. Auf der Leinwand machte sie als Powerlady Furore, neben der sogar James- Bond-Darsteller Pierce Brosnan verblasste. Und in ihrem neuen Film „Gothika“, in dem sie eine Kriminalpsychologin spielt, kämpft sie gegen böse Geister und starke Kerle. Im Gespräch ist die Schauspielerin dagegen scheu und zurückhaltend, fast mädchenhaft. Sie ist freundlich, will es allen recht machen. Fast möchte man Halle in den Arm nehmen und ihr sagen: Alles wird gut!

Findet sie sich selbst schön? Die 35-Jährige antwortet diplomatisch: „Was ist damit gemeint, als schön oder sexy bezeichnet zu werden? Das empfindet doch jeder anders. Aber wenn Leute so etwas über mich sagen, ist das natürlich ein großes Kompliment.“ In „Gothika“ wird ihr Image, eine der schönsten Frauen der Welt zu sein, gehörig auf den Kopf gestellt. Die Ärztin Berry findet sich nach einem Komplott in ihrer eigenen Nervenheilanstalt wieder. Sie soll ihren Ehemann bestialisch ermordet haben. Geister und Gruselszenen machen „Gothika“ zu einem Horrorschocker, der auch Berry Angst machte. „Wir drehten in vielen dunklen Gemäuern, was manchmal gespenstisch war. Am meisten fürchtete ich mich bei einer Unterwasserszene. Die Vorstellung zu ertrinken, jagt mir eine Gänsehaut ein.“

Ihrer zwölfjährigen Tochter India würde sie nie erlauben, den Film anzusehen. Ihr Ex-Mann, der Sänger Eric Benet, hatte die Kleine mit in die Ehe gebracht. Halle schloss sie sofort ins Herz und adoptierte das Mädchen. Die beiden sind unzertrennlich. „Wir genießen unsere Zweisamkeit. Besonders in den letzten anderthalb Jahren habe ich gemerkt, wie wichtig mir die Stunden mit ihr sind.“ Das kann man sich bei Berrys Blitzkarriere auch gut vorstellen. Sie landete mit den Actionkrachern „X-Men“ und „Stirb an einem anderen Tag“ einen Blockbuster nach dem anderen, und als Sahnehäubchen gab es vor zwei Jahren den Oscar für das Südstaatendrama „Monster’s Ball“. Die Sensation: Halle Berry ist die erste schwarze Hauptdarstellerin, die diese begehrte Trophäe bekam.

Davon war sie so überwältigt, dass sie damals wie ein kleines Mädchen auf der Bühne in Tränen ausbrach. „Ich wünschte, ich wäre damals etwas gefasster geblieben. Aber ich spürte, dass dies der wichtigste Moment meiner Karriere ist. Mir wurde plötzlich bewusst, was die Auszeichnung für alle schwarzen Frauen der USA bedeuten würde.“ Über Nacht wurde sie zum Idol einer ganzen Bevölkerungsschicht. „In Amerika gehört Rassendiskriminierung noch immer zur Tagesordnung. Auch ich habe wegen meiner Hautfarbe viele Rollen nicht bekommen. Dadurch fühlte ich mich reduziert. Trotzdem habe ich mich nie unterkriegen lassen.“

Im Internet hingegen lebt Halle Berry ihre Mädchenattitüden aus. Es geht auf ihrer Homepage zu wie bei Barbie zu Hause. Ein kleiner Zeichentrickhund mit rosa Schleifchen im Haar begrüßt die Internetsurfer auf „Hallewood“. Bunte Sternchen, überdimensionale Lippenstifte, Halle als Manga-Figur: die Filmdiva als Modepüppchen.

Doch weiblich-zäh war sie schon als 17-Jährige. Ihr Terminkalender war schon damals randvoll: Cheerleaderin in der High School, Klassensprecherin und zuständig für das Moderessort in der Schulzeitung. Beim Miss-Teen-All-American-Schönheitswettbewerb setzte sie sich gegen eine große Konkurrenz durch. Die schöne Halle siegte haushoch und bekam einen Modelvertrag. Bereits vier Jahre später hatte sie ihre erste Fernsehrolle, und 1991 entdeckte Spike Lee sie für seinen Kinofilm „Jungle Fever“. Danach ging es Schlag auf Schlag, und mit Actionfilmen wie „Einsame Entscheidungen“ und „Passwort: Swordfish“ eroberte sie ein internationales Publikum. „Ich habe schon als Kind gelernt, dass man für sich selbst verantwortlich ist, und ich war immer bereit, hart zu kämpfen. Heute behandelt mich Hollywood mit Respekt. Das ist ein beruhigendes Gefühl.“

Halle Berry weiß, wovon sie spricht. Sie hat harte Zeiten erlebt, vor allem in ihrer Kindheit. Ihr Vater war ein Trinker, der die Familie im Stich ließ. Mit zehn Jahren ging sie zum ersten Mal zum Psychologen: „Das war für mich normal. Meine Mutter arbeitete damals als Krankenschwester in einer Nervenheilanstalt. Sie wusste, dass es mir gut tun würde, mit einem Außenstehenden über meine Probleme zu sprechen.“

Diese Erfahrungen waren für sie auch ausschlaggebend, in „Gothika“ eine Kriminalpsychologin zu spielen. „Ich kenne mich damit ein bisschen aus, gehe auch heute noch zum Psychologen, wenn ich mit einem Problem allein nicht mehr fertig werde. Das ist doch nichts Verwerfliches! Solche Gespräche helfen, die Gedanken zu ordnen und Lösungen zu finden. Ich kann es nur jedem empfehlen.“

Halle Berry lacht. Denn eigentlich ist sie ausgeglichener denn je. Sie genießt das Leben und hasst es, in eine Schublade gesteckt zu werden: „Wenn es nach mir geht, werde ich auch weiterhin zweigleisig verfahren. Mal eine ernste Rolle, dann wieder einen Actionfilm. Wichtig ist nur, sich den Spaß nicht verderben zu lassen.“ Darauf können sich Kinobesucher schon mal freuen: Als „Catwoman“ kehrt sie ab August in der Verfilmung des gleichnamigen Comics als sexy Vamp in engem Leder auf die Leinwand zurück. Die Männerwelt wird es – wie schon im vorletzten „Bond“ - freuen.

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