Bescheidene Umsätze
Kassensturz in Taka-Tuka-Land

Astrid Lindgren war die erfolgreichste Kinderbuchautorin der Welt. Doch weil sie keinen Wert auf Geld legte, müssen ihre Erben heute um jeden Tantiemen-Euro kämpfen. Dabei hätte die Schwedin wohl ähnlich reich werden können wie Harry-Potter-Mutter Joanne Rowling.

STOCKHOLM. Die Gastgeberin servierte Kaffee und Kuchen, und dann plauderten die Verhandlungspartner über Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach – und ein kleines bisschen über Geld. Am Schluss unterschrieb die Schriftstellerin die Verträge, die ihr vorgelegt wurden.

So ähnlich muss es immer wieder gewesen sein bei Astrid Lindgren in der Dalagatan Nummer 46 im Vasaviertel zu Stockholm. Die erfolgreichste Kinderbuchautorin der Welt vertrat sich selbst – und aus Geld machte sie sich nicht allzu viel. „Geld habe ich so verdammt viel verdient“, schrieb sie 1972 – 65-jährig – in ihr Tagebuch. „Es macht mir Angst. Ich will Geld nicht haben.“ Ihre Erben sehen das heute anders – nur ändern können sie nicht mehr allzu viel.

Am Mittwoch wäre Astrid Lindgren 100 Jahre alt geworden. Über 70 Bücher schrieb sie, 150 Millionen Stück wurden verkauft, in 80 Sprachen übersetzt. Und dann noch all die Filme, Hörspiele, Theaterstücke. Die Schwedin hätte wohl ähnlich reich werden können wie Harry-Potter-Mutter Joanne Rowling. Wurde sie aber nicht.

Seit ihrem Tod vor fünf Jahren bemühen sich ihre Erben rund um Lindgren-Tochter Karin Nyman, 73, die Zeit wenigstens ein klein wenig zurückzudrehen. In einem unscheinbaren Gewerbegebiet in Lidingö bei Stockholm sitzt die Saltkråkan AB – in einem Betonbau mit einem Steuerberater und einem Vertriebsbüro für Blutdruckmessgeräte als Nachbarn. Firmenchef ist Lindgren-Enkel Nils Nyman, 42. Mit den kurzen, in alle Himmelsrichtungen strebenden Haaren sieht er aus wie ein erwachsen gewordener Michel aus Lönneberga.

„Zum Teil wurde Astrid sehr schlecht bezahlt“, sagt Nyman. Besonders ärgert ihn ein Vertrag mit der schwedischen Filmproduktionsgesellschaft Svensk Film (SF). Seine Tante sei mit einer einmaligen Summe von ein paar Hunderttausend Kronen für die Filmrechte an ihren Geschichten abgefunden worden. Trotz jahrelanger Diskussionen mit SF, klagt Nyman, sei keine Einigung über eine Änderung der alten Verträge erzielt worden, so dass die Saltkråkan AB trotz großer Film- und Fernseherfolge von Pippi & Co. fast leer ausgeht.

So blieben die Umsätze der Erben-Firma Saltkråkan recht bescheiden. Von September 2005 bis Dezember 2006 setzte das Unternehmen 31 Millionen Kronen um, rund 3,3 Millionen Euro. Der Großteil stammt aus dem Buchverkauf. Nach Steuern und Kosten blieb ein Gewinn von 2,4 Millionen Euro. „Ja, man kann den Eindruck haben, dass das recht wenig ist“, gibt Nils Nyman zu.

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