Besondere Sorge der Behörden gilt der erwarteten Sturmflut im Gefolge des Hurrikans
„Isabel“ kennt kein Pardon

Der Hurrikan „Isabel“ hat die Ostküste der USA am Donnerstag mit voller Wucht getroffen und große Zerstörungen verursacht. Sintflutartige Regenfällen und Sturmböen mit bis zu 170 Stundenkilometern ließen das Stromnetz weitgehend zusammenbrechen. Über zehn Meter hohe Wellen überschwemmten küstennahe Straßen und versetzten die wenigen zurückgebliebenen Menschen in Angst.

HB WASHINGTON. Meteorologen hatten zwar noch weit höhere Windgeschwindigketen von bis zu 250 Kilometern pro Stunde erwartet. Gleichwohl befürchteten die Experten, dass „Isabel“ mit hohen Flutwellen verheerende Überschwemmungen auslösen könnte.

US- Präsident George W. Bush verließ die ebenfalls gefährdete Hauptstadt Washington. Die Energieversorgung in den Bundesstaaten Virginia und North Carolina brach einem Bericht des Nachrichtensenders „Fox News“ zufolge bereits in den ersten Stunden großflächig zusammen. Betroffen waren nach ersten Schätzungen bis zu 560 000 Haushalte.

Auch in den Staaten West-Virginia, Maryland und Delaware sowie in der Hauptstadt Washington war der Notstand ausgerufen worden. Sturmwarnungen gab es aber auch in New Jersey und für Teile New Yorks. Weit über 200 000 Menschen hatten ihre Häuser in der gefährdeten Regionen verbarrikadiert und verlassen. Manche flüchteten noch in der letzten Minute.

Millionen Menschen waren am Donnerstag gar nicht erst zur Arbeit erschienen. Die Bundesbehörden in Washington blieben ebenso wie Schulen und Universitäten in mehreren Bundesstaaten geschlossen. Der Eisenbahn- und Luftverkehr an der gesamten Ostküste war stark eingeschränkt; die Flughäfen in Washington, Philadelphia (Bundesstaat Pennsylvania) und Baltimore (Maryland) blieben zu. Insgesamt fielen nach Angaben des US-Senders CNN über 1000 Flüge aus. Auch die Lufthansa sagte ihre Flüge von Frankfurt nach Washington ab. Die U-Bahn in Washington stellte den Verkehr ein. Die Innenstädte von Washington oder Philadelphia waren wie leergefegt, die Geschäfte und Restaurants geschlossen.

Das Auge des Wirbelsturm war am frühen Nachmittag (Ortszeit) auf die Ostküste in North Carolina getroffen. Etwa 10 000 Menschen waren allein in Virginia zu diesem Zeitpunkt in Turnhallen und anderen Notunterkünften untergebracht - wo wegen umgerissener Überlandleitungen dann vielerorts der Strom ausfiel. In Middlesex (Bundesstaat Virginia) starb den lokalen Medien zufolge ein Mann beim Versuch, unmittelbar vor der Ankunft des Orkans einen Baum vor seinem Haus zu beschneiden.

Auch die Politik in Washington war von dem Hurrikan betroffen. US-Präsident George W. Bush, der selbst einen Tag früher als geplant auf sein Landsitz Camp David gefahren war, betonte zwar, die USA seien „gut vorbereitet“ auf „Isabel“. Allerdings blieben in Washington fast alle Ministerien geschlossen, das politische Leben kam zum Erliegen. US-Außenminister Collin Powell sagte seine Reise zu den Trauerfeierlichkeiten in Stockholm für die ermordete schwedische Außenministerin Anna Lind wegen der Unwetter ab.

Die Nationalgarde und alle verfügbaren Sicherheitskräfte standen am Donnerstag bereit, bei der Rettung von Menschen und bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes leben mehr als 50 Millionen Menschen in der vermuteten Schneise des Hurrikans. Meteorologen haben „Isabel“ auf der Stufe Zwei der fünf Gefahrenstufen umfassenden Saffir-Simpson-Skala eingestuft, nachdem der Hurrikan über offenem Meer zuvor noch die seltene höchste Stufe Fünf erreicht hatte. Ein Wirbelsturm des Gefährlichkeitsgrades Zwei kann massive Verwüstungen hinterlassen. Besondere Sorge der Behörden gilt der erwarteten Sturmflut im Gefolge des Hurrikans.

Selbst New York bereitet sich auf die Ausläufer des Hurrikans „Isabel“ vor. Nach Einschätzung von Meteorologen wird der Wirbelsturm die Millionenmetropole zwar nur am Rande streifen. Der Wetterdienst warnte die Stadtbezirke Brooklyn, Queens und Staten Island am Donnerstag jedoch vor einem „tropischen Sturm“ mit Windstärken bis zu 40 Stundenkilometern. Der Sturm eile dem Hurrikan voraus und dürfte New York am Freitag Regen und Windböen von 60 und 70 Stundenkilometern bringen.

In den Küstenbereichen der drei Stadtbezirke sei mit zum Teil schweren Überflutungen zu rechnen, berichtete der Fernsehsender „New York 1“. Anders als in Washington gibt es aber weder „schulfrei“ noch verkürzte Arbeitszeiten. Die Bahnverbindungen zwischen New York und Washington sowie New York und Pittsburgh wurden vorübergehend eingestellt.

Zuletzt war vor vier Jahren ein Hurrikan dieser Stärke über den Bundesstaat North Carolina hinweg gerast. Hurrikan „Floyd“ verursachte nach CNN-Angaben einen Schaden in Höhe von sechs Mrd. Dollar. Damals waren mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen.

Die Behörden in den gefährdeten Bundesstaaten hatten bereits seit Tagen gewarnt, dass weitere Regionen von dem Zusammenbruch der Stromversorgung betroffen sein könnten. Die Energieversorgung könne in manchen Regionen - möglicherweise für Tage - massiv gestört sein. Die US-Überlandleitungen sind gegen einen Hurrikan diesen Ausmaßes schlecht gewappnet. Die Folgen können für die Sturm-Opfer vielerorts dramatisch sein, etwa wenn mangels Notstromgeräten überflutete Keller nicht mit elektrischen Pumpen ausgepumpt werden können.

Gefährdet waren am Donnerstag auch die Termine des CDU-Politikers Wolfgang Schäuble in Washington. Nach Medienberichten ist auch das Auftaktspiel der Frauen-Fußballweltmeisterschaft am Samstag in Philadelphia in Frage gestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%