Bestattung von Richard III.: Kasse machen mit den Knochen des Königs

Bestattung von Richard III.
Kasse machen mit den Knochen des Königs

Fast ein Staatsakt wird die Wiederbestattung der Knochen des von Shakespeare unsterblich gemachten Richard III. Dahinter verbergen sich historische Kontroversen, Eifersucht – und die Hoffnung, Millionen zu verdienen.
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England feiert die erstaunliche Wende im Schicksal seines Königs Richard III. Vor über 500 Jahren wurde er als Schurke begraben, nur um als Held wieder aufzuerstehen. Seine Knochen, die vor zwei Jahren in einer weltweit verfolgten Ausgrabung gefunden wurden, werden nun mit einem Aufwand bestattet, der einem Staatsbegräbnis gleichkäme, würde nur die Royal Family ein bisschen mehr Interesse zeigen. Aber auch so ist der neue Kult um Richard III. ein Millionengeschäft geworden. In der Stadt Leicester, wo sein Sarg am Sonntag von Pferden durch die Straßen gefahren wird, wurden sogar Laternenmasten und Poller entlang der Prozessionsroute neu gestrichen.

Seit 1485 überdauerten die Knochen Richards, der ohne große Zeremonie an einem Ort verscharrt wurde, wo bei seiner Ausgrabung 2013 der Parkplatz des Sozialamts von Leicester war – die letzte Demütigung des Königs. Denn seitdem geht es aufwärts mit Richard, dem von der Geschichtsschreibung am schlechtesten behandelten englischen König.

Vor ein paar Tagen wurden die Knochen feierlich in einen dicken Bleikasten und dieser in einen Sarg aus Eiche und Eibe gelegt, den einer seiner Nachkommen eigenhändig zimmerte. Glücklicher Zufall, dass Michael Ibsen, Nachkomme von Richards Schwester, Anne von York, dessen DNA die Identifizierung der Knochen ermöglichte, Tischler von Beruf ist. „Es brauchte eine Weile, bis ich begriffen habe, dass ich mit Richard verwandt bin“, sagte er. Dann entschloss er sich, die Familienbande zu akzeptieren und arbeitete zwei Wochen an dem Sarg für den 17-fachen Großonkel.

Am Sonntag wird Richard durch die Hügellandschaft um Leicester gefahren. Tausende von Menschen werden an der von Hecken gesäumten Landstraße stehen, wenn seine Überreste nach einem Freiluftgebet von dem Acker bei Bosworth, auf dem er seine letzte Schlacht verlor, nach Leicester gefahren wird, die letzten Kilometer würdig im Pferdegespann. Das war anders, als am 22. August 1485, als er, durch einen brutalen Lanzenstich durch Nacken und Gehirn getötet, auf ein Pferd gebunden und nach Leicester getrieben wurde. „Mein Königreich für ein Pferd“ waren laut Shakespeare seine letzten Worte. An der Verkündigungskirche von Leicester wurde der zerschundene Körper mehrere Tage lang zur Schau gestellt. So zelebrierte der neue König, Henry Tudor, den Beginn der Tudor-Herrschaft. Die „Rosenkriege“, der blutige Krieg zwischen dem Haus von Lancaster, in das Tudor eingeheiratet hatte, und Richards Haus von York war beendet. Historiker sehen die grausame Szene als das Ende des englischen Mittelalters.

Am Sonntag spricht der katholische Bischof von Westminster die Gebete. Wenn am Donnerstag, ebenfalls live im Fernsehen übertragen, die feierliche Beisetzung der Knochen in der eigens umgebauten Kathedrale folgt, wird der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, das Wort ergreifen. Er ist Oberhaupt der anglikanischen Kirche, von der Richard gar nichts wusste, als er als Untertan des Papstes starb. 600 per Lotterie ausgewählte Bürger nehmen Teil – und nachrangige Royals, angeführt von Sophie, der Herzogin von Wessex, die Frau von Prinz Edward.

Für Leicester und seinen Bürgermeister Peter Soulsby war Richards Fund eine Chance, die mit beiden Händen ergriffen wurde. Schätzungsweise 2,5 Millionen Pfund kostet die Aktion, hinter ihr stehen neben der Stadt Leicester und ihrer Tourismusbehörde auch die Richard III. Society, die Kathedrale der Stadt und die Uni Leicester, die die Ausgrabungen geleitet hat.

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Schurke oder Schönling?

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