Bestechungsprozess
Die hohen Töne der rechten Hand Ecclestones

Ecclestone als bodenständiger Geschäftemacher, nicht als gerissener Machtpolitiker – so stellt seine rechte Hand Sacha Woodward-Hill den Formel 1-Chef dar. Die Strategie seiner Anwälte wirkt dennoch etwas hilflos.
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München„Frau Woodward-Hill ist eine wichtige Zeugin für die Verteidigung“. Ecclestone-Anwalt Sven Thomas präsentiert die große schlanke Engländerin wie einen wertvollen Schatz. Die Übersetzung, der Blick auf ihr Antlitz, die Position des Mikrofons – alles muss perfekt sein.

Als ihr in einer Verhandlungspause plötzlich und ohne ersichtlichen Grund die Tränen kommen, wissen die Anwälte, sie schnell abzuschirmen. Ecclestones Freundin persönlich bringt ihr eine Flasche Wasser und trägt ihr sogar noch den Deckel hinterher.

Im Saal ist Sacha Woodward-Hill, 45, dann wieder eine beeindruckende Person in dunklem Schneiderkostüm, schwindelerregenden Stilettos und diesem gewissen distinguierten Gesichtsausdruck. Sie gilt als besonders kluge Rechtsanwältin, arbeitet seit 1996 an der Seite von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone und ist der Boss der Rennserie, wenn er gerade nicht da ist.

Zum Beispiel, wenn er sich am Landgericht München I gegen den Vorwurf der Bestechung eines Amtsträgers, nämlich Ex-Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky, verteidigen muss - seit April 2014  zwei Tage die Woche.

„Company Secretary“ sei sie gewesen, im Jahr 2004, als der Streit mit der BayernLB und zwei amerikanischen Banken um die Kontrolle in der Formel 1 vor englischen Gerichten verhandelt wurde, sagt Woodward-Hill. Seit 2006, so flüstert sie in wohl gesetztem Englisch, sei sie zudem Mitglied im Verwaltungsrat in allen Schlüsselfirmen der Formel 1.

Ecclestone erscheint in ihren Schilderungen als ein Mann der Tat, der das Tagesgeschäft der Formel 1 am Laufen halten wollte, sich aber mit den Details der Unternehmensführung nicht befasst habe. Selbst die Frage, wie viele Direktoren von welchem Anteilseigner nun in der Formel 1-Holding genau sitzen sollten, habe ihn nicht weiter interessiert, behauptet Frau Woodward-Hill.

Über die Corporate Governance habe allein sie sich den Kopf zerbrechen müssen. Vielleicht noch Stephen Mullens, einst „Direktor“ von Bambino Trust, einer Stiftungskonstruktion in Liechtenstein, die Ecclestones Ex-Frau Slavica aus dem Vermögen ihres Mannes begründet hatte.

Zu Gribkowskys Schilderungen des gewieften Machtpolitikers Ecclestone, der ihm im Mai 2005 mit den Worten „Ich zeig Dir jetzt mal, wie das Leben ist“ die traurige Rolle der BayernLB als Formel 1-Gesellschafter verdeutlichte, passt das nicht.

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