Bestechungsskandal in Uniklinik
Organe gegen Geld

Wahrscheinlich sind noch mehr Mitarbeiter beteiligt, Gesundheitsminister Bahr fordert Konsequenzen: Bei Transplantationen in Göttingen war nicht die Dringlichkeit entscheidend, sondern die Höhe der Bestechung.
  • 3

GöttingenAus dem Skandal um Bestechung und Betrug bei Leberverpflanzungen an der Göttinger Universitätsmedizin müssen nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Konsequenzen gezogen werden. Ein Sprecher des Ministers sagte, es sei nicht nur gesetzeswidrig, "sondern höchst respektlos und ethisch in höchstem Maße verwerflich, wenn Organe nicht nach medizinischer Dringlichkeit transplantiert" würden. Die Göttinger Universitätsmedizin hatte am Freitag 25 weitere Verdachtsfälle in dem Skandal bestätigt.

Diese "Auffälligkeiten" seien zunächst von der Bundesärztekammer festgestellt worden, sagte Martin Siess vom Vorstand der Universitätsmedizin. Die Kammer habe in Göttingen die Warteliste von Patienten sowie die Liste der 2010 und 2011 erfolgten Transplantationen überprüft. Ende Juni sei die Universitätsmedizin über die Erkenntnisse der Ärztekammer informiert worden.

Kern der Vorwürfe sei die Manipulation von relevanten Angaben zu Patienten auf der Warteliste, sagte Siess weiter. Die Universitätsmedizin habe am Donnerstag die Staatsanwaltschaft Braunschweig informiert und alle gewünschten Akten sofort bereitgestellt. Zudem sei eine eigene externe Gutachterkommission einberufen worden, die den Ablauf der Vorgänge prüfen und Empfehlungen für Konsequenzen geben solle.

Im Mittelpunkt des Skandals steht der früheren Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie. Gegen den Mediziner, der 2008 von Regensburg nach Göttingen gewechselt war, waren bereits im Frühsommer Vorwürfe laut geworden. Er soll 2011 einen ausländischen Patienten gegen eine hohe Geldzahlung bei einer Lebertransplantation bevorzugt haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Mediziner sowie gegen den Patienten wegen Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung. Die Universitätsmedizin hatte den Arzt bereits im November suspendiert.

Siess schloss nicht aus, dass weitere Mediziner oder andere Mitarbeiter in die nun bekannt gewordenen Vorfälle verstrickt sind. "Theoretisch wären die Akten von einer Person manipulierbar gewesen", sagte er. "Das ist allerdings höchst unwahrscheinlich." Ebenso unwahrscheinlich sei es jedoch, "dass es viele waren, die manipuliert haben".

Kommentare zu " Bestechungsskandal in Uniklinik: Organe gegen Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Unglaublich ist an diesen Vorfällen gar nichts. In dieser Republik, wo der kleine Mann immer nur draufzahlt und die neoliberalen Täterschichten vor nichts und wieder nichts zurückschrecken, liegt es doch auf der Hand, dass das Gesetz zur Organspende mit seinen angeblich so fairen Regelungen nur ein Papiertiger ist, und in Wirklichkeit die Reichen und Mächtigen bei der Organvergabe -wie bei allem anderem auch- bevorzugt werden. Es hatte schon seine Gründe, warum ich mich an dieser Stelle schon bei früheren Gelegenheiten kritisch zur Organspende geäußert und Fairness bei der Organentnahme und Organvergabe bezweifelt habe. Unser System ist eben noch nur noch die Hure der Reichen und Mächtigen. Niemand sollte sich deshalb von Personen wie dem selbstherrlich und besserwisserisch veranlagtem Leserbriefschreiber Ockams Rasiermesser blenden lassen: Ob nun bei Euro, Lohndrückerei oder Organspende, die Armen und einkommensmäßigen Durchschnittsbürger sind nur noch als Kanonenfutter für degenerierte Pseudoeliten wie Eurokraten, Millionäre, Bänker und höhere Politiker vorgesehen. Unsere Pseudodemokratie ist wirklich nur noch zum Kotzen.

  • Warum sollten Kassenpatienten Organe spenden ?
    Die gesetzliche Versicherten stehen schon heute hinter Privatpatienten an, wenn es um wichtigste lebensverlängernde Behandlungen geht (z.B. Strahlentherapie).

    Sollen also Kassenpatienten mit ihrer Bereitschaft zur Organspende tendenziell primär das Leben der First-Class-Patienten verlängern ?

  • war nichts anderes zu erwarten. Die Gier ist wie das Meerwasser das man trinkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%