Besuch in der Kölner Synagoge am Freitagmittag
Der Papst vor seinem schwersten Tag

Am zweiten Tag in Deutschland wird Papst Benedikt XVI. die Kölner Synagoge besuchen. In einer Gedenkzeremonie am Freitagmittag wird der während der Nazi-Zeit ermordeten Juden gedacht.

HB KÖLN. Benedikt XVI. ist der erste Papst, der eine Synagoge in Deutschland besucht. Schon bei seiner Ankunft am Donnerstag streckte Benedikt XVI. die Hand aus zu einem Dialog über Religionsgrenzen hinweg. In seiner Ansprache auf dem Flughafen betonte er die Bedeutung der Treffen mit Juden und Muslime. Der Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit müsse für eine gerechte und brüderliche, dem Menschen wirklich angemessene Zukunft noch intensiver gegangen werden.

Der viertägige Besuch des Papstes gilt dem Weltjugendtag mit 405 000 Pilgern aus fast 200 Ländern. Höhepunkt wird die Papstmesse am Sonntag vor rund 800 000 Gläubigen. Der Papstbesuch hat historische Bedeutung. Benedikt XVI. ist der erste deutsche Papst seit knapp 500 Jahren. Dass ein deutsches Kirchenoberhaupt seine Heimat besuchte, liegt sogar rund 950 Jahre zurück.

Zum Auftakt seiner ersten Auslandsreise feierten am Donnerstag Hunderttausende Menschen in Köln den deutschen Papst. Bei strahlendem Sonnenschein fuhr Joseph Ratzinger (78) wie ein biblischer Menschenfischer auf dem Rhein durch die Domstadt. Vom Schiff rief der Pontifex der jubelnden Menge am Ufer zu, das „außerordentliche spirituelle Erbe“ seines Vorgängers Johannes Paul II. als Verpflichtung zu begreifen: „Nun haben wir alle zusammen die Aufgabe, seine Lehre in die Tat umzusetzen.“

Nach der Rheinfahrt pilgerte das Kirchenoberhaupt von weltweit einer Milliarde Katholiken zum Dreikönigsschrein im Kölner Dom und fuhr mit dem Papamobil durch die Straßen. Überall grüßten ihn jubelnde Mengen. Für den Papst gilt in Köln die höchste Sicherheitsstufe. Gullydeckel wurden verschweißt, Brücken zeitweise gesperrt und Flugverbote verhängt.

Der Papst richtete sich auf dem Schiff in mehreren Sprachen an die Jugendlichen: „Reißt euer Herz weit auf für Gott, lasst euch von Christus überraschen!“ Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte, er hoffe, dass der Papstbesuch „den Glauben in unserem Land und in Europa“ stärke. „Machen Sie uns Mut, zu einem gemeinsamen, vertieften christlichen Zeugnis.“

Die Begegnung so vieler Jugendlicher beim Weltjugendtag sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche, sagte Benedikt XVI. „Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben.“

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