Betrug
Auch manche Ärzte tragen gekauften Doktor-Titel

Auch Mediziner sind offenbar vor der Versuchung nicht gefeit, sich einen fehlenden Doktor-Titel zu kaufen. Nach einem Bericht des "Spiegels" stellen Human- und Zahnmediziner etwa die Hälfte der Kunden des Unternehmens für Promotionsvermittlung, gegen das ermittelt wird.

HB HAMBURG. Das "Institut für Wissenschaftsberatung" aus Bergisch-Gladbach bei Köln wird beschuldigt, Hochschullehrer dafür bezahlt zu haben, ihre Kunden als Doktoranden anzunehmen, obwohl etlichen von ihnen dazu die fachliche Qualifikation fehlte. Etwa 100 Hochschullehrer aus ganz Deutschland werden verdächtigt, entsprechende Schmiergelder angenommen zu haben.

In einigen der Fälle hat die Kölner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Hochschullehrer wegen Korruptionsverdachts mittlerweile eingestellt. "Uns liegen einige Geständnisse vor", hatte Oberstaatsanwalt Günther Feld am Freitag auf dpa-Anfrage erklärt. Ein Professor habe einen Strafbefehl akzeptiert, der eine mehrmonatige Haftstrafe zur Bewährung beinhalte. Die Verfahren gegen vier weitere Beschuldigte seien gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt worden.

Die Behörde nannte weder Namen der Verdächtigen noch deren Arbeitgeber. Der "Spiegel" berichtete, einer der Verdächtigen sei ein Mediziner der Berliner Charité, ein anderer stehe in Verbindung zur Medizinischen Hochschule Hannover - beides äußerst renommierte Kliniken. Ein Doktortitel ist meist bares Geld wert, denn damit steigen häufig das Gehalt sowie die Aufstiegschancen. Aber auch ein Mediziner ohne Doktortitel darf praktizieren, sofern er die erforderlichen Zulassungen hat.

Wie das Magazin "Focus" berichtet, gab einer der Doktorväter zu, pro Doktorand 4000 Euro kassiert zu haben; insgesamt habe er in fünf Fällen kassiert. Zwei weitere Kollegen hätten zusammen fünf weitere Fälle eingeräumt.

Laut "Spiegel" werden mindestens 315 fragwürdige Promotionsverfahren von der Kölner Staatsanwaltschaft untersucht. Die Doktoranden sollen dem Unternehmen demnach zwischen 12 000 und 36 000 für die Vermittlung eines Promotionsplatzes bezahlt haben.

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