Bevölkerung zum Wassersparen aufgefordert
Dürre und Gluthitze sorgt für Notstand

In Frankreich geht die Furcht vor einer großen Katastrophe um. Bereits vor zwei Jahren waren Tausende von Menschen einer schier unendlichen Periode von Hitzetagen zum Opfer fallen. Schon jetzt aktiviert die Pariser Regierung erste Notfallpläne.

HB PARIS. In 28 Departements, vor allem im Westen, gelten schon strikte Vorschriften, Wasser zu sparen. Die Pflanzen und Tiere in der Landwirtschaft leiden unter der Hitze. Und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis wieder größere Waldbrände Schlagzeilen machen.

Dramatisch wenig Niederschlag im Winter und Frühjahr, dazu Temperaturen wie sonst nur im August lassen Alarmglocken läuten. Die beliebte Urlauberinsel Belle-Ile vor der bretonischen Atlantikküste droht schon bald, was Trinkwasser angeht, auf dem Trockenen zu liegen. „An Wasser haben wir hier nur, was vom Himmel kommt“, erläutert die für die Versorgung zuständige Christine Illiaquer. Vom August an soll Belle-Ile von einem Tankschiff mit Wasser versorgt werden, „sonst haben wir nach der Ferienzeit hier keinen einzigen Tropfen mehr.“

„Äußerst besorgt“ sieht Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau den nächsten heißen Wochen und Monaten entgegen. Sollen die riesigen Maisfelder der Agrarnation nicht völlig eintrocknen, müssen sie intensiv bewässert werden, obwohl doch dringend mit dem kostbaren Nass Haus gehalten werden muss. Zehntausende von Hühnern sind schon der Gluthitze erlegen - 2003 starben alles in allem drei Millionen.

Nach den Analysen des Umweltministeriums ist die Trockenheit noch schlimmer als im Rekordjahr 1976, jedoch wesentlich auf den Westen und Norden beschränkt. Doch die Dürre weitet sich aus. Erneut tagt an diesem Mittwoch in Paris ein landwirtschaftlicher Krisenausschuss.

Wer es vor zwei Jahren nicht getan hat, deckt sich jetzt noch rasch mit Ventilatoren und Klimaanlagen ein. Das könnte durchaus auch eine bitter notwendige Zukunftsinvestition sein. Denn mitten in die nahezu tropischen Gewitterstürme, die keinerlei Linderung bringen, fallen die Hiobsbotschaften der Experten: Die Erderwärmung ist in Frankreich um die Hälfte stärker als im globalen Schnitt, hält ein Bericht des nationalen Klima-Observatoriums (Onerc) fest. Das sagt nichts Gutes für die nächsten Jahrzehnte und vor allem für die zweite Jahrhunderthälfte voraus. Jeder zweite Sommer könnte dann derart heiß und trocken werden. Der Krisenrhythmus von heute würde so zum Alltag.

Die französischen Alpengletscher schrumpfen. Die Weinlese beginnt inzwischen drei Wochen früher als noch vor 50 Jahren, und Bäume wachsen schneller. Auch dies sind Botschafter der Klimaveränderung in Frankreich, die eine nationale Kraftanstrengung beim Wasser-Sparen gnadenlos erzwingen wird, erklärt Onerc-Direktor Marc Gillet: „Keiner wird dabei für sich das Privileg des Nichtstuns beanspruchen können.“

„Das macht mir Angst“, sagt der 19-jährige Student Romain Angot aus Lille, und auch der Pariser Rentner Michel Capulet (61) findet dies alles „erschreckend“. Nur Tage vor Beginn der Urlaubszeit sind die Sorgenfalten tiefer als die Vorfreude aufs Ferienvergnügen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%