Bierpreise
Wenn die Maß zum Schnäppchen wird

Die Oktoberfestbesucher schimpfen über die ewig steigenden Bierpreise. Doch für Touristen ist der Abstecher auf die Wiesn mitunter ziemlich günstig: Im Vergleich zu manch anderem Land ist die Maß fast ein Schnäppchen.
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Düsseldorf/MünchenWenn am Samstag das Münchener Oktoberfest startet, müssen trinkfreudige „Wiesn“-Besucher für den Liter Bier tief in die Tasche greifen: Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet die Maß in diesem Jahr. Damit liegt der Preis erstmals durchgängig über der Neun-Euro-Marke. Seit Jahren steigen die Preise immer drastischer an, was natürlich für Proteste sorgt. Ganz vorne an der Front engagiert sich der „Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.“, 4.000 Mitglieder aus aller Welt setzen sich für faire Preise und volle Biergläser ein. Denn gemogelt wird auch auf dem Oktoberfest, wo Schankkontrollen des Vereins zufolge bei mancher Maß mitunter 0,2 Liter Bier schlichtweg unterschlagen werden. Ob aus Absicht oder durch falsches Zapfen, sei dahingestellt.

Im Fokus steht aber mittlerweile der Kampf gegen die Preisspirale: „Es muss Schluss sein mit der permanenten, willkürlichen Erhöhung der Getränkepreise auf der Wiesn“, erklärte Vereinspräsident Jan-Ulrich Bittlinger unlängst. Er fordert eine Höchstgrenze von 7,10 Euro für die Wiesn-Maß - und auch für alkoholfreie Getränke. Diese Höchstgrenze müsse in der städtischen Betriebsordnung des Oktoberfestes stehen. Pro Jahr soll der Preis nur um jeweils 15 Cent teurer werden. „Was bitte rechtfertigt es, dass die Maß Bier auf dem Oktoberfest über zwei Euro mehr kostet als im teuersten Biergarten Münchens?“, fragt Bittlinger weiter. Und um diese Forderung zu untermauern, hat der Verein sogar ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, Unterschriften werden fleißig gesammelt.

Im Ausland – oder zumindest: in manchen Ländern – dürfte das Kopfschütteln auslösen. Denn nicht für alle Oktoberfestbesucher ist das Bier überteuert. Das Personalberatungsunternehmen ECA International hat, aus welchen Gründen auch immer, einen internationalen Bierpreisindex erstellt. Die Daten beziehen sich auf eine Studie zu Lebenshaltungskosten weltweit. Berücksichtigt wurden dabei auch Effekte, die durch Wechselkurse entstehen. Das Ergebnis ist insofern beachtenswert, dass Gäste aus manchen Ländern in Deutschland eine regelrechte Schnäppchentour erwartet.

Der Studie zufolge sparen zum Beispiel Norweger beim Kauf einer Maß mehr als 50 Prozent gegenüber den Gastronomiepreisen in ihrer Heimat. Generell sind die Lebenshaltungskosten in Skandinavien so hoch, dass sich der Durchschnittsverdiener auf dem Oktoberfest regelrecht austoben kann. Australier würden für das, was sie in Deutschland für fünf Maß bezahlen, keine vier Liter bekommen. Und Italiener sparen sich bei einem Besuch in München immerhin 13 Prozent. Auch Japaner und Schweizer kommen günstiger weg. Letztere müssen in Deutschland generell 30 Prozent weniger für Waren und Dienstleistungen ausgeben. Neuseeländer können bei Limonade sogar die Hälfte sparen.

Böse sieht es dagegen für Engländer und Österreicher aus. Dort würde sie der Liter Bier 30, bzw. 15 Prozent weniger kosten. Laut Studie sind Südafrikaner die ärmsten Schlucker: Auf der Wiesn kostet der Liter Bier doppelt so viel wie rund ums Kap der guten Hoffnung. Interessant auch, dass der Liter Mineralwasser – rund 8,60 Euro teuer – Kanadiern eine Menge Geld spart, für Franzosen aber fast 75 Prozent mehr kostet, als gewohnt. Bier zum Rekordpreis,. Dass sei in erster Linie ein Problem der Einheimischen, erklärt ECA International zu diesem Punkt fast lapidar.

Und die sind in der überwältigenden Mehrheit: Nur gut 19 Prozent der Oktoberfestbesucher reisen aus dem Ausland an, etwa 72 Prozent kommen direkt aus Bayern. Die größte Gruppe Touristen stellen die Italiener, die ja bekanntlich an der Maß zumindest etwas sparen.

Unbeantwortet bleibt allerdings die Frage, was die Touristen beim normalen Biergartenbesuch sparen oder draufzahlen. Denn eins ist sicher – die Wirte lassen sich von den Besuchern auch das Erlebnis Oktoberfest bezahlen. Und das gibt es in dieser Form eben nur einmal auf der Welt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bierpreise: Wenn die Maß zum Schnäppchen wird"

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  • Kriminell: 2011 wurden 7,5 Mio. Maß verkauft. Meist sind sie jedoch nur zu 80% gefüllt. Somit können zusätzlich ca. 1,5 Maß zusätzlich ausgeschenk werden. Und diese wiederum nur zu 80% Füllung, usw. usw. Das Mehreinkommen wandert somit in die schwarze Kasse der Festwire und am Fiskus vorbei. Das nenne ich organisierten und legalisierten Betrug!

  • Textzitat „Was bitte rechtfertigt es, dass die Maß Bier auf dem Oktoberfest über zwei Euro mehr kostet als im teuersten Biergarten Münchens?“ Texzitatende.-

    -> Die nicht kleiner werdende bzw. wachsende NACHFRAGE?
    Niemand zwingt mich, auf dieses Fest zu gehen, geschweige denn, dort Bier "in Maßen" zu kaufen.

    Für Anwohner, deren Eigentum, Nerven oder Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen werden, habe ich Verständnis. Nicht aber für den, der sich das Oktoberfestbier nicht mehr leisten kann.

    Ach ja: In einer Bar kostet ein Weizenbier (0,5 Liter, Flaschenbier!) nicht selten 4,50 oder 5,00 EUR. Die werden natürlich jedes Wochenende - ohne mit der Wimper zu zucken - bezahlt.

    Das sind echt kleinbürgerliche Luxusprobleme.

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