„Bilder kaum zu ertragen“
Deutschland will den USA umfassend helfen

Nach der Hurrikan-Katastrophe will Deutschland den USA mit aller erdenklichen Hilfe zur Seite stehen. In Berlin bot Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag die Lazarettmaschine „Medevac“ der Bundeswehr sowie Flugzeuge für Evakuierungen und Transporte an.

HB BERLIN. Zudem sollen bei Bedarf Impfstoffe, Medikamente und große Mengen von Hilfsgütern in die betroffenen Regionen geliefert werden. Für die Bergung von Opfern, Wasseraufbereitung, Wiederherstellung der Stromversorgung und den Aufbau von Notunterkünften stünden Spezialisten bereit.

Die Bundesrepublik habe von den USA seit dem Zweiten Weltkrieg „so unendlich viel Hilfe“ bekommen, dass sie zur Solidarität mit dem amerikanischen Volk „historisch“ verpflichtet sei, sagte Schröder. Er zeigte sich entsetzt über das Ausmaß der Schäden: „Die Bilder sind kaum zu ertragen.“

Schröder berief Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier zum Koordinator für die Unterstützung aus den einzelnen Bundesministerien. Ferner stehen Außenminister Joschka Fischer und der neue US-Botschafter in Deutschland, William Timken, in Kontakt. Auch die Länder-Innenminister boten Hilfe an. Deutsche Polizei- und Katastrophenschutzeinheiten hätten besondere Erfahrung etwa bei der Identifizierung von Leichen oder bei der Wasseraufbereitung.

Schröder wies Angriffe von Union und FDP auf Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nach dessen Kritik an der Klimapolitik der USA zurück. Die Opposition solle „die Finger davon lassen, parteipolitische Süppchen zu kochen“, sagte der Kanzler. Allerdings bemängelte auch er Kritik an den USA inmitten der Katastrophe. Jetzt sei nicht die Zeit, Versäumnisse vorzuhalten. „Jetzt ist die Zeit zu helfen“, sagte Schröder.

Trittin selbst erklärte, er werde gezielt falsch interpretiert. Auch ihm gehe vor allem anderen um Hilfe für die USA. Die Kernaussage seiner Äußerungen vom Wochenbeginn sei gewesen, Amerika mit einem ausgearbeiteten Vorschlag für die Zukunft des internationalen Klimaschutzes die Hand zu reichen.

Der Umweltminister hatte den USA vorgeworfen, zu wenig für den Klimaschutz zu tun. US-Präsident George W. Bush verschließe die Augen vor wirtschaftlichen und menschlichen Schäden durch Naturkatastrophen, weil seine Regierung internationale Klimaschutz- Ziele ablehne. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer hatte Bush als „Öko- Reaktionär“ bezeichnet, der eine Energiepolitik aus der Perspektive der Öl- und Atomlobby betreibe. Der FDP-Abgeordnete Hermann Otto Solms nannte die Kritik „mehr als erbärmlich“.

Am Freitag erklärten Bütikofer und die andere Parteivorsitzende Claudia Roth: „Wir weisen den Vorwurf, die Grünen würden in dieser verheerenden Situation dem amerikanischen Volk herzlos und zynisch gegenüberstehen und Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer machen, entschieden zurück.“ Die Grünen ließen aber nicht zu, dass die Diskussion über Ursachen und Konsequenzen der Hurrikan-Katastrophe aus politischen Gründen tabuisiert werde. Es sei Tatsache, dass der Klimawandel das Entstehen von Stürmen und Fluten in Nordamerika und Europa wahrscheinlicher mache und dass der Mensch mit dem Ausstoß von Treibhausgasen ganz erheblich zum Klimawandel beitrage.

Unterdessen riefen die zehn Hilfsorganisationen unter dem Dach der Aktion Deutschland Hilft (ADH) zu Spenden für die Opfer des Hurrikans in den USA auf: Aktion Deutschland Hilft (ADH): Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Spendenkonto 10 20 30, Stichwort: Hurrikan Katrina. Damit reagiert das Bündnis auf Anfragen der amerikanischen Partnerorganisationen, die Soforthilfe leisten. Zu dem Bündnis gehören unter anderem Care, action medeor, World Vision und die Johanniter.

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