Billig Amerika entdecken
Im Wohnmobil durch den Wilden Westen – für lau

Mit dem Wohnmobil umsonst durch die USA – das klingt wie ein Traum. Doch es geht, denn die Hersteller brauchen Fahrer. So wird der günstige Urlaub zum Abenteuer. Ein Erlebnisbericht.
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MinneapolisEin Blockhaus irgendwo in Minnesota. Bis zum Horizont sieht man nichts anderes als abgeerntete Getreidefelder. An den Wänden hängen Cowboyhüte. Auf dem Tisch stehen Kekse in all den süßlich-klebrigen Geschmacksrichtungen, die Amerika zu bieten hat.

Das könnte der perfekte Start in den Amerikaurlaub sein, von dem Kim Balve und ihr Freund Daniel seit Jahren geträumt haben. Könnte. Wäre da nicht das schreiende Kleinkind neben Kim. Und die deutsche Familie, die sich im schlechten Englisch über mangelnde Organisation beschwert. Oder die zweihundert anderen Leute, die in dem Blockhaus ausharren. Denn dieses Blockhaus ist ein Wartesaal.

Vor der Tür steht eine Reihe weißer Wohnwagen – frisch geputzt, glänzend in der Sonne und akkurat nebeneinander geparkt. Auf einen davon warten Kim und Daniel mit 200 anderen Reisenden, fast ausschließlich Europäer. Hauptsächlich sind es Deutsche und Holländer.

Familien und Pärchen aller Altersgruppen warten hier. Sie alle sind nach Minnesota gekommen, um sich einen Traum zu erfüllen: Einmal mit dem Wohnwagen durch die Vereinigten Staaten fahren. Was für die einen die Erfüllung eines Lebenstraums ist, ist für die anderen knallhartes Business.

Denn Produktionsstandorte für Wohnwagen, wie in Minnesota, sind meist weit ab von den Regionen, in denen der Durchschnittsamerikaner seinen Urlaub verbringt. Für die Überführung müsste der Hersteller tief in die Tasche greifen: Lohn für den Fahrer, Benzinkosten und Versicherungen.

Zudem werden jedes Jahr neue Modelle produziert, die zur Hauptsaison in den Ferienregionen an der West- und Ostküste bereitstehen müssen. Touristen, die den Wohnwagen in der Vorsaison überführen, sind da eine kostengünstige Alternative für die Produzenten. Denn die bezahlen den Sprit, die Versicherung und verpflegen sich auf eigene Kosten. Das einzige, was der Hersteller zur Verfügung stellt, ist der Wohnwagen – umsonst.

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