Bistum Mainz Kardinal Lehmann ist tot

Der frühere Mainzer Bischof Karl Lehmann ist gestorben. Bundesspräsident Steinmeier würdigte ihn als „wichtigen Brückenbauer zwischen den Religionen“.
Update: 11.03.2018 - 13:28 Uhr Kommentieren
Im Alter von 81 Jahren ist der frühere Kardinal gestorben. Quelle: dpa
Karl Lehmann

Im Alter von 81 Jahren ist der frühere Kardinal gestorben.

(Foto: dpa)

Kardinal Karl Lehmann, einer der beliebtesten Katholiken Deutschlands, ist tot. Der frühere Mainzer Bischof starb nach Angaben des Bistums am Sonntagmorgen in seinem Haus in Mainz. Er wurde 81 Jahre alt. Lehmann hatte seit September vergangenen Jahres mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung gekämpft. Nachdem sein Gesundheitszustand monatelang stabil war, schwanden seine Kräfte zuletzt deutlich. Der frühere Bischof genoss weltweites Ansehen.

Lehmann war nach dem Schlaganfall zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden. Seit Dezember vergangenen Jahres wurde er schließlich zu Hause in Mainz versorgt. Nach Angaben seines Nachfolgers Peter Kohlgraf hatte er zuletzt selbst signalisiert, dass er sich „auf den Weg macht“. In einem Schreiben an Pfarrgemeinden und Mitarbeiter hatte Kohlgraf jüngst zum Gebet für Lehmann aufgerufen und um dessen Leben gebangt.

Der gebürtige Sigmaringer war von 1983 bis 2016 rund 33 Jahre lang Bischof des Bistums Mainz, das sich auf Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, dazu kommt die Exklave Wimpfen in Baden-Württemberg. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Nachdem er 2011 zwei künstliche Kniegelenke erhalten hatte, bereitete ihm das Gehen Probleme.

Im Mai 2016 ging er mit 80 Jahren in den Ruhestand. Er hatte den Papst aus Altersgründen darum gebeten, seinen Dienst als Bischof zu beenden. Zu seinem Abschied kamen rund 1200 Menschen in den Mainzer Dom. Danach wollte Lehmann weiter in Theologie, Philosophie und Ökumene tätig sein. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge an - das war der letzte öffentliche Auftritt von Lehmann.

Er bezog in vielen Debatten klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für ein Diakonenamt für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis.

Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Der Kardinal war auch Autor zahlreicher Bücher - und Ehrenmitglied des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Als einen der Höhepunkte in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er einmal den Katholikentag 1998 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Tiefpunkte waren für ihn die Fälle sexuellen Missbrauchs und die Auswirkungen der Affäre um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut und war im März 2014 unter anderem deswegen abberufen worden. Dieser Finanzskandal hatte viele Kirchenaustritte zur Folge.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Lehmann als „wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen“. „Er war ein Mann klarer Worte, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft ging“, erklärte Steinmeier.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von „tiefer Dankbarkeit“ für langjährige Begegnungen. „Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude.“ Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte, Lehmann habe „Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt“. Dabei nannte sie das Engagement des Kardinals für die Aufnahme von Flüchtlinge und zum kirchlichen Beistand für schwangere Frauen in Gewissenskonflikten.

Mit Betroffenheit und Trauer nahm die Deutsche Bischofskonferenz die Nachricht vom Tod Lehmanns auf. „Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising. Mit Lehmann gehe ein warmherziger und menschlicher Bischof von großer Sprachkraft. „Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit, die die katholische Kirche weltweit wesentlich mit geprägt hat.“ Lehmann leitete die Deutsche Bischofskonferenz von 1987 bis 2008.

„Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft“, erklärte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Mit seiner Lebensfreude, seiner Menschlichkeit und seinem Glaubenszeugnis habe Lehmann über viele Jahre hinweg herausragend gewirkt. „Wir danken Gott für das Geschenk seines Lebens und bitten um das Gebet für unseren verehrten Kardinal.“

Dazu sollte am Sonntag um 14.30 Uhr die größte Glocke des Mainzer Doms, die Martinus-Glocke, eine halbe Stunde lang läuten. Anschließend findet im Mainzer Dom einen Totenvesper für den Verstorbenen statt. Alle Pfarreien des Bistums Mainz wurden zu einem 30-minütigen Totengeläut aufgerufen. Einzelheiten zur Beerdigung sollen im Laufe des Sonntags bekanntgegeben werden.

Der verstorbene Mainzer Kardinal Karl Lehmann soll nach Angaben des Bistums am 21. März beigesetzt werden. Das Requiem soll an dem Tag um 15.00 Uhr im Mainzer Dom beginnen, wie das Bistum am Sonntag mitteilte. Nach dem Gottesdienst werde Lehmann dann in der Bischofsgruft des Domes beigesetzt.

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